Fliegende Klassenzimmer sind Geschichte

21. Oktober 2008, 18:57
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Nach dem Chaos durch das AHS-Aufnahmemodell "Wunschschule" hat man sich im Wiener Stadt- schulrat einen neue Vorgangsweise ausgedacht - Mehr Beratung für die Eltern bei der Einschreibung

Wien - Kommendes Schuljahr soll alles anders werden: Der Wiener Stadtschulrat will die Aufnahme in die Allgemeinbildende Höhere Schule (AHS) neu regeln. Nach gröberen Problemen im heurigen Jahr, die durch das kurzfristig eingesetzte Modell "Wunsch-AHS" ausgelöst worden waren, haben Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SP) und ihr Vize Walter Strobl (VP) eine Arbeitsgruppe, bestehend aus Eltern- und Lehrervertretern, beauftragt, sich etwas Neues einfallen zu lassen. Das neue Aufnahmemodell wurde am Dienstag präsentiert.

Das Problem bei der Wunschschule: Zwar musste kein einziger Schüler abgewiesen werden. Doch die Zahl der Wanderklassen stieg an manchen Standorten. Die Opposition sprach nicht von Wunsch-, sondern von "Albtraum-Schulen". Im 22. Bezirk, wo das Platzproblem am größten ist, wurden die Schüler in Containern untergebracht. Diese sollen 2010 in eine neue Schule am Contiweg wandern. Jährlich fanden etwa 600 Schüler keinen Platz in ihrer Wunschschule.

Das neue Konzept sieht vor, dass es im Zuge der Einschreibung mehr Beratung geben soll. Die Direktoren, Vertreter des Stadtschulrats und die Eltern sollen künftig mehr miteinander kommunizieren. Eltern sollen schon vor dem Anmeldetermin in Gesprächen mit den Direktoren erfahren, ob die Schule geeignet ist.

Auch eine Hotline wird eingerichtet (Tel.: 01/52525-7700). Die Aufnahme im Jahr 2009 findet zwischen 17. und 20. Februar statt. Sollte das Kind abgewiesen werden, wird gemeinsam nach einer neuen Lösung gesucht. Wohnortnähe, Geschwister an der Schule und AHS-Reife sind Aufnahmekriterien.

Damit hat das Modell Wunschschule, mit dem Brandsteidl die Elternwünsche erfüllen wollte und es sich dabei mit den Direktoren und den älteren Schülern verscherzt hatte, ausgedient. Die Direktoren können aufatmen - und Susanne Brand- steidl auch. Das Umschwenken dürfte ihre Position parteiintern gestärkt haben. Denn in den Rathaus-Couloirs war die Rede davon, dass die Präsidentin abgesetzt werden könnte, gemeinsam mit Vizebürgermeisterin Grete Laska. Aus SP-Kreisen heißt es offiziell, dass Häupl sein Team bis zur Gemeinderatswahl 2010 nicht umbilden werde.

Eine offene Baustelle ist nach wie vor die neue Mittelschule. Während der Schulversuch in den Bundesländern schon heuer läuft, weiß man in Wien noch gar nicht, an welchen Standorten der Versuch stattfinden soll. Am 1. Dezember sollen die acht Schulen feststehen. Die Gymnasien in der Theodor-Kramer-Straße und in der Anton-Krieger-Gasse gelten als fix. (Marijana Miljkovic, DER STANDARD Printausgabe, 22.10.2008)

 

  • Mehr Wanderklassen und Schüler im Container: Schulen in manchen Wiener Bezirken sind überfüllt.

    Mehr Wanderklassen und Schüler im Container: Schulen in manchen Wiener Bezirken sind überfüllt.

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