Kopf des Tages: Carl Auer von Welsbach

21. Oktober 2008, 17:52
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Ein Forstwirt, verirrt im Finanzdickicht

Carl Auer von Welsbach brachte mehr Licht in die Welt. Er erfand den Glühstrumpf im Gaslicht und die Metallfadenlampe, und auch der Zündstein im Feuerzeug entsprang seinem Entdeckergeist.
Innovativ, mit dem Gespür fürs richtige Geschäft, gab sich bisher auch sein Urenkel Wolfgang (52), der stets das "von" in seinem Namen trägt. Jetzt ist er gefordert, Licht in seine Investitionen zu bringen. Seinem Kärntner Beteiligungsunternehmen AvW geht das Geld aus. Die Auszahlung an Genussschein-Inhaber wurde gestoppt, die Aktie ist im freien Fall. Anleger bangen um ihr Geld, und die Behörden ermitteln.

Dass die Turbulenzen allein auf einen Betrug eines Mitarbeiters zurückzuführen sind, glaubt keiner in der Branche. Von einem Ablenkungsmanöver ist die Rede, von jahrelanger Intransparenz und Schönwettergeschäften, die nun platzten.

Auer von Welsbach hat stürmische Zeiten schon mehrfach erlebt. Der studierte Jurist ließ sich gemäß Familientradition zum Forstwirt ausbilden. Mit 20 stieg er in das väterliche Holzunternehmen ein, engagierte sich im Export und bereiste Länder wie Saudi-Arabien, Somalia, Jemen und den Sudan.

Doch dann kam ein Windwurf. Der Holzpreis brach ein, die Exporte zusammen und Auer von Welsbach fasste 1991 den Entschluss, den Familienbetrieb stillzulegen. Die von seinem Urgroßvater Carl gegründete Treibacher Chemie ist schon viel länger nicht mehr in Hand der weit verzweigten Familie. Geblieben sind ein stattlicher Waldbesitz und Anwesen am Wörthersee, etwa Schloss Welsbach.Die Tscheppaschlucht in Kärnten wurde verkauft.

Auer von Welsbach verlegte sich auf Beteiligungen. Er gründete 1991 die AvW Invest, 1996 folgte der Gang an die Börse. Seine Anleger versorgte er selbst in mageren Zeiten mit üppigen Renditen. Skeptiker, die dem Geldwunder nicht trauten und Transparenz forderten, ließ er anrennen.Die Medien mied er.

Er sei eben ein Unternehmer der alten Schule, ein Familienmensch, naturverbunden und bodenständig, der mit seinen zwei Kindern fischen und jagen gehe, sagen Freunde. Mit Zockern und Spekulanten habe er nichts gemein, ebenso wenig wie mit der Glitzerwelt der Promis. Kritiker zeichnen ein anderes Bild. Das "Softe" sei Tarnung, meinen sie. Dass er einzelne Immobilien des AvW-Portfolios für eigene Zwecke nutze, stoße auf wenig Verständnis.

Auer von Welsbach will heute zur Krise Rede und Antwort stehen. Die AvW-Gruppe sei sein Lebenswerk, ließ er die Anleger in einem offenen Brief wissen. (Verena Kainrath, DER STANDARD, Printausgabe, 22.10.2008)

  • AvW-Chef Wolfgang Auer von Welsbach muss viel erklären.
    foto: picturedesk

    AvW-Chef Wolfgang Auer von Welsbach muss viel erklären.

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