Kreide benützen statt fressen

21. Oktober 2008, 17:07
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"Risiko" im Landestheater Linz - Auf die fünf Nenner "stehlen, saufen, treten, schweigen und isolieren" bringt John Retallack die Fährnisse der Adoleszenz

Fünf gleichrangige Protagonisten gehen in "Risiko" ein, was Teenager so alles unter Kick verstehen, auf dem Weg zur eigenen Identität, durch Gruppenphasen und Gemeinschaftszwänge. Und dabei ist jeder sein eigener Ich-Erzähler, bleibt namenlos und daher prototypisch. Wiewohl es Henry Masons Inszenierung in der Co-Regie Katja F. M. Wolfs versteht, die Emotionen greifbar und hautnah zu vermitteln, zur Empathie zwischen Cineplexx, Kaufrausch und Disco einlädt.

Neben einem als Chor wie einzeln ausgewogen agierenden Ensemble überzeugen auch Regieeinfälle, wie etwa eine Choreografie der Absperrungsbänder, die gesellschaftliche Zwänge ebenso wie Ausweglosigkeit pointiert vermittelt. Auch von den Spots, die den Jugendlichen auf den Fuß folgen, können sie sich am Ende befreien, lösen sich kreideschreibend statt -fressend aus den Umrissen aller Erwartungshaltungen. In dieser österreichischen Erstaufführung gelingt es, jugendliches Pathos via Energie zu vermeiden, und bei all dem Zappeln denkt man am Ende unvermittelt an den Frosch im Milchglas, der sich bekanntlich auch an die Oberfläche gestrampelt hat. (wos, DER STANDARD/Printausgabe, 22.10.2008)

>> 22.-25. 10, 31. 10. Landestheater Linz, Eisenhand

  • Authentische Identitäten finden sich nicht nur im Stück "Risiko"  meist neben dem Scheinwerferlicht.
    foto: norbert artner

    Authentische Identitäten finden sich nicht nur im Stück "Risiko" meist neben dem Scheinwerferlicht.

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