Ein wirkungsvolles Molekül am Standort

21. Oktober 2008, 21:39
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Das Unternehmen PDC Biotech übersiedelte von Kanada nach Wien - wegen der Forschungsförderung

Österreich hat ein neues Biotech-Unternehmen. Das kanadische Start-up "Pharmaceutical Development Corporation", spezialisiert auf Frauengesundheit, übersiedelte im Sommer nach Wien und firmiert hier unter dem Namen PDC Biotech GmbH. Das Unternehmen wurde von der Physiologin Diane Kalina und der Biochemikerin Patricia Griffin gegründet, die beide zuvor lange Zeit im internationalen Pharmamarketing tätig gewesen waren. Nun richtet sich ihr Interesse auf neuen Arzneien gegen vorzeitige Geburtswehen und schmerzhafte Gebärmutterkontraktionen während der Menstruation.

"Wir haben in Kanada zwar eine ausgezeichnete Wissenschaft und hervorragende Forscher, aber leider auch eine sehr lückenhafte Forschungsförderung", erklärt Kalina im Gespräch mit dem Standard den Grund der Übersiedelung von Oakville, Ontario, nach Wien. Österreich sei hier einen Schritt weiter, weil hier nicht nur die erste Forschungsarbeit, sondern auch die Phase der klinischen Tests und der Übergang in ein profitables Unternehmen finanziert würden.

"In Kanada bekommen sie niemals präklinische Forschungen, die wir gerade vorantreiben, finanziert." Hierzulande schon. Finanzierung in der Höhe von einer Million Euro aus dem Seedfinancing-Programm der österreichischen Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS) und die Bereitstellung kostenloser Unterstützung seitens der Betriebsansiedelungsagentur Austrian Business Agency und des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds WWFF in den Belangen Recht, Steuern, Niederlassung- und Aufenthaltsbewilligung machten Wien zum idealen Standort für die beiden Unternehmerinnen.

Um ihre präklinischen Forschungen voranzutreiben, ist PDC Biotech inzwischen Kooperationen mit dem in Baden bei Wien ansässigen Pharmanalyt-Labor sowie den Austrian Research Centers mit Hauptsitz in Seibersdorf eingegangen. Die klinischen Studien, hofft Kalina, würden im Wiener AKH durchgeführt werden können. Doch worum geht es genau?

Das am weitesten fortgeschrittene Therapeutikum des Unternehmens, PDC31, ist ein Hormon-Antagonist, hat den Prostaglandin-F2alpha-Rezeptor (FP) im Visier: Vorzeitige Wehen, die oft zu Frühgeburten führen, werden meistens von einer durch das Hormon Prostaglandin vermittelten Entzündungsreaktion infolge einer Infektion ausgelöst.

Auch für die primäre Dysmenorrhö, wie die schmerzhaften Gebärmutterkontraktionen während der Menstruation in der Fachsprache genannt werden, sind Prostaglandine beziehungsweise eine zu hohe Konzentration des FP-Rezeptors verantwortlich.

Rezeptor blockiert

PDC31, ein riesiges Peptidmolekül, das aufgrund seiner Größe die Plazentaschranke nicht durchbrechen und somit auf das Ungeborene nicht direkt einwirken kann, blockiert diesen Rezeptor und verhindert somit die Wirkung der Prostaglandine. Sowohl im Labor als auch im Tierversuch habe die neue Substanz laut Kalina bereits ermutigende Erfolge gezeigt.

Sollten sich diese positiven Resultate auch in den ersten klinischen Studien bestätigen, wolle das Unternehmen gleich seine Substanz PDC41 in die Testphase schicken: Dabei handelt es sich um dasselbe Molekül, das jedoch für eine andere Anwendungsform entwickelt wird: Während PDC31 als Injektion zur Marktreife gebracht werden soll, also primär für den klnischen Einsatz via Infusionslösung im Spital, soll PDC41 als Nasenspray in den Handel kommen.

Doch zunächst gelte es, weitere Mittel zur Finanzierung der Studien aufzustellen. Mit der gewährten AWS-Startförderung könne die Entwicklung der Therapeutika zumindest so weit vorangetrieben werden, bis private Investoren für das Projekt interessiert werden. Das soll noch Ende des Jahres passieren. Außerdem plane PDC Biotech laut Geschäftsführerin und Gründerin Kalina eine Finanzierung durch Vorzugsaktien von etwa zehn Millionen Euro.

Immerhin, in der Pipeline des Unternehmens warten noch andere Substanzen auf ihre Entwicklung. Etwa ein Medikament, das bei der künstlichen Befruchtung das Risiko von Mehrfachgeburten reduziert, indem es während der IV-Fertilisation dafür sorgen soll, dass nur eine befruchtete Eizelle zur Schwangerschaft führt. Auch hier spiele der Prostaglandin-Rezeptor eine zentrale Rolle. (Andreas Feiertag, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 22. Oktober 2008)

  • Firmenchefin Diane Kalina lobt die Förderprogramme.
    foto: urban

    Firmenchefin Diane Kalina lobt die Förderprogramme.

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