"Menschen werden direkt bei der Einwanderungsbehörde abgeholt"

21. Oktober 2008, 14:30
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Mülltrennung, Hausordnung oder: Wie tickt der Wiener? - Die Stadt Wien hat ein neues Integrationspaket entwickelt

Neuzuwanderer in Wien, die in den Genuss eines 300-Euro-Gutscheins für Sprachkurse kommen möchten, müssen künftig zuerst drei "Info-Module" besuchen, die ihnen bei der Integration helfen sollen.

Das ist Teil von "StartWien" - das neue fünf Punkte-Programm für Integration. Sandra Frauenberger, Stadträtin für Integration und Frauen hat es am Dienstag bei einer Pressekonferenz vorgestellt. Wählen können die MigrantInnen aus insgesamt acht Modulen, die jeweils am Samstagnachmittag an der Volkshochschule Favoriten abgehalten werden.

Wie tickt der Wiener?

Beim Kurs "Wie tickt der Wiener? Wie tickt die Wienerin?" haben die TeilnehmerInnen etwa die Möglichkeit, mit einer Landsfrau oder einem Landsmann "in entspannter Atmosphäre" über die Wiener zu reden und die "Do's und Dont's" im Umgang mit dem Wiener zu erfahren.

Weitere Module betreffen Berufsinformation, Aufenthaltsrecht, das Gesundheitssystem oder das Bildungssystem. Was eine Hausordnung ist und wie die Mülltrennung funktioniert, soll im Modul "Wohnen in Wien" vermittelt werden. Die besuchten Kurse werden im "Bildungspass" bestätigt. "Dieser Bildungspass begleitet die ZuwanderInnen bis zur Erfüllung der Integrationsvereinbarung beziehungsweise bis zum Berufseinstieg", so Frauenberger.

Verpflichtendes Erstgespräch

"Wien sagt Ja zur Zuwanderung und erwartet im Gegenzug ein Ja zu Wien", so Frauenberger. Zielgruppe des Programms, das im November startet, seien vor allem die rund 4.500 Nicht-EU-BürgerInnen, die jährlich neu zuwandern und sich an die Integrationsvereinbarung "zu halten haben". "Die Einhaltung der hiesigen Rechtsordnung und natürlich auch der Frauenrechte ist indiskutabel," betont Frauenberger. So soll die Vermittlung von Rechten und Pflichten ein fixer Bestandteil bei der Integrationsbegleitung sein. Neu sei auch das verpflichtende Erstgespräch bei der Einwanderungsbehörde, in dem Wohnsituation, Sprachstand, Bildung der Kinder sowie die berufliche Qualifikation festgestellt werden sollen. "Menschen werden direkt bei der Einwanderungsbehörde abgeholt", heißt es im Pressetext. Aber auch jene Zuwanderer, die schon länger in Wien sind, können die Module besuchen, ein besonderes Anliegen sei es ihr, die "Frauen zu empowern", so Frauenberger.

Häupl will kürzere Asylverfahren

Bürgermeister Michael Häupl übte beim Pressegespräch Kritik am österreichischen Asylgesetz. "Dass Menschen momentan bis zu sieben Jahre auf ihren Bescheid warten müssen, ist ein Skandal", kritisiert Häupl. Er fordert, die Verkürzung der Asylverfahren auf ein Jahr und eine Personalaufstockung bei den Richtern. Gerade in jener Phase, in der Asylwerber auf einen Bescheid warten, entstünden die größten sozialen Probleme, so Häupl. Das Bleiberecht müsse jedoch weiterhin ein individuelles Recht bleiben und nur in Einzelfällen vergeben werden. (burg/derStandard.at, 21. Oktober 2008)

 

  • Die Stadt Wien möchte die Integration mit neuen Bildungsangeboten vorantreiben.
    foto: standard/corn

    Die Stadt Wien möchte die Integration mit neuen Bildungsangeboten vorantreiben.

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