Wien - Die jährlich stattfindende Werkstattnacht des Burgtheaters funktioniert, wie jede "Leistungsschau" , nach festgelegten Regeln. Jungdramatiker gelangen über die Teilnahme an sogenannten Schulen für szenisches Schreiben oder durch die Empfehlung von Theaterpraktikern ans Burgtheater, wo ihre noch unfertigen Stücke auf Praxistauglichkeit überprüft und von den Hausdramaturgen (Britta Kampert, Susanne Meister) zu branchebekömmlichen Produkten getrimmt werden. In den animierten Lesungen durch Burgschauspieler, denen man in jener aufgeregt familiären Atmosphäre beiwohnt, in der eine Geburt erwartet wird, wird das Handeln mit dem Rohbaucharakter der Dramenauszüge zur humorigen Kür stilisiert.
Die "Geburt" ist zu diesem Zeitpunkt aber schon vorbei, die romantische "Entdeckung" schon geschehen: Geblieben sind von den je acht neuen Autorennamen der letzten fünf Jahrgänge im Großen nur jene, die es vorher schon gab. Johannes Schrettle (2003), Gerhild Steinbuch (2004) und Ewald Palmetshofer (2006) waren schon vor der Burg-Werkstatt durch die Schulen des Dramenschreibens gegangen, Anja Hilling (2005) und Philipp Löhle (2007) waren schon fast Profis, denen der "Nachwuchs" -Titel durch Uraufführungen an größeren Häusern bald abhandenkommen sollte.
Ein solcher Autor, der heute ein Jungstar mit Gesicht sein muss, erklärt seine Stücke idealerweise in ein paar Sätzen selbst, ehe er sich für die produktiven "Inputs" der Dozenten bedankt. Daniel Mezger und Kevin Rittberger kann man erwartungsvoll nun im sechsten Jahr als spannende Nachwuchsautoren nennen: Mit den Jahrgängen '78 und '77 hatten sie gegenüber ihren bis zu acht Jahre jüngeren Mitbewerbern einigen Erfahrungsvorteil, zugleich eine wesentlich unglattere, eigenwilligere Erzählweise. Rittberger, der seit 2004 am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg inszeniert, lässt in Dritte Natur einen Mann die Alter Egos seiner unterschiedlichen Lebensalter aufspüren. Mezger, ein Schweizer, der im Vorjahr bereits von Theater heute als Nachwuchsdramatiker nominiert wurde, zeigt in Balkanmusik ein ironisch-distanziertes Bild einer lässig unwissenden Generation - und hebt sich damit sehr deutlich von den auf Befindlichkeiten zielenden Stimmungstexten vieler Fach- und Alterskollegen ab.
Eines dritten Namens wegen lohnte sich die Sonntag-Entdeckungsnacht: Jan-Christoph Gockel, erst 26-jähriger Busch-Schüler, der sich in Regiearbeiten etwa an der Schaubühne am Lehniner Platz bereits auf junge Texte spezialisiert hat und nun zwei Autoren in der Werkstatt betreute. Ein in Text und Zeit, Sprache und Tempo außerordentlich feinfühliger, begabter Jungregisseur! (Isabella Hager, DER STANDARD/Printausgabe, 21.10.2008)
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