"Gros der Asylwerber kommt nicht über Seeweg in die EU"

20. Oktober 2008, 15:51
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UNHCR- Sprecher Roland Schönbauer kritisiert den Kampf der EU-Staaten gegen die illegale Einwanderung der "Bootsflüchtlinge"

Wien - Roland Schönbauer, Sprecher des Wiener Büros des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR), hat am Montag den Kampf der EU-Staaten gegen die illegale Einwanderung der sogenannten "Bootsflüchtlinge" kritisiert. "Es ist verständlich und legitim, dass Staaten ihre Seegrenzen kontrollieren wollen, aber man sollte sich keinen Illusionen hingeben - das Gros der Asylwerber und illegalen Einwanderer kommt auf anderen Wegen in die EU", so Schönbauer.

Schönbauer beruft sich auf eine Studie der Universität Oxford, wonach der Großteil der illegalen Einwanderer aus Westafrika, die einen beträchtlichen Teil der Migranten afrikanischer Herkunft ausmachen, "legal" nach Europa komme. Die sogenannten "Overstayers" hätten etwa Touristen- oder Studentenvisa, kämen dann auf völlig legalem Weg nach Europa und blieben nach Ablauf des Visums einfach hier.

Betroffen gemacht

"Wir werden betroffen gemacht und sind natürlich auch betroffen von den dramatischen Bildern von kleinen Nussschalen oder sogar Schlauchbooten - und diese Bilder sind eben stärker als das nicht so bekannte Phänomen der Overstayers, von dem es keine Bilder gibt, weil es täglich ganz legal passiert - bis zu dem Zeitpunkt, an dem das Visum abgelaufen ist", erklärt Schönbauer.

Bilder von erschöpften Menschen, die auf kleinen Booten zusammengepfercht an den Küsten Europas stranden, wird es aber weiterhin geben: Zwar sank die Zahl der Bootsflüchtlinge auf die Kanarischen Inseln von 18.000 im gesamten Jahr 2007 auf 7.100 zwischen Jänner und Oktober 2008, doch anderswo nahm sie stark zu. In Malta stieg die Zahl von 1.800 Flüchtlingen auf bisher 2.600, in Italien von 19.900 auf 27.000. In Griechenland waren es bisher 10.700, in Zypern 1.000 Bootsflüchtlinge.

Gefährliche Überfahrt

Bei den gefährlichen Überfahrten in oft seeuntauglichen Booten kommt es immer wieder zu Unglücken. Von Migranten auf dem Weg nach Spanien gelten bisher 120 Menschen als tot oder vermisst, in Italien gab es bis Oktober 509 belegte Fälle von Toten oder Vermissten. "Wir wissen, dass diese Menschen nicht die einzigen sind, die im Mittelmeer den Tod gefunden haben. Ich würde schätzen, dass es wohl auch dieses Jahr wieder mehrere tausend Tote gegeben hat, wenn man alle Länder des Mittelmeeres zusammen nimmt", so Schönbauer.

Die Kanaren als Ziel wählen vor allem Afrikaner südlich der Sahara, nach Griechenland kommen vor allem Iraker, Afghanen und Somalier. In Italien stranden laut UNHCR viele Menschen aus Somalia, Nordafrika, Ghana und Nigeria, aber auch Palästinenser. Die Gründe für die Emigration lassen sich laut Schönbauer oft in der Nationalität erahnen: Aus politischen Krisengebieten kommen meist ethisch und politisch verfolgte Flüchtlinge, andere fliehen schlicht vor wirtschaftlicher Perspektivenlosigkeit. (APA)

  • Roland Schönbauer, Sprecher des Wiener Büros des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR)
    foto: derstandard.at

    Roland Schönbauer, Sprecher des Wiener Büros des Flüchtlingshochkommissariats der Vereinten Nationen (UNHCR)

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