Planen in Zeiten der Krise

20. Oktober 2008, 16:36
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In den Nachrichten ist sie seit Wochen Dauer­thema: die Kreditkrise. Strategieempfehlungen sind derzeit schwierig. Absichern in Zeiten der Volatilität bleibt ein Dauerbrenner

Seit Wochen Dauerthema: die Kreditkrise, die zur Kapitalmarktkrise wurde und nun zur Welt-Wirtschaftskrise wird. Sie sorgt in der Wirtschaft und bei den Banken national und international für Unruhe, politisch akkordierte Aktionen und finanzielle Verluste. Die so genannte Subprime-Krise wurde in den USA ausgelöst, als viele bonitätsschwache Kreditnehmer in Folge von Zinserhöhungen ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Da die Risiken über Verbriefungen und Zweckgesellschaften weltweit an Investoren, insbesondere Banken, weiterveräußert wurden, brach der Markt für Verbriefungen global zusammen, was eine Liquiditätskrise auf den Kapitalmärkten ausgelöst hat.

Wie reagieren nun die Banken in Sachen Treasury? Ist ein Strategiewechsel gefragt? In welcher Hinsicht ändern sich Parameter und Verfahrensweisen? Wo wird umgedacht oder muss umgedacht werden? Zu verhindern wäre die Krise auch nicht durch mehr Regulierung gewesen, ist Volksbank-Vorstandsdirektor Manfred Kunert überzeugt: "Es reicht kein Regulativ aus, die größte Krise aufzufangen." Was er empfiehlt: Vertrauen in die Bank, Ruhe, Geduld und Contenance: "Die wundersame Auflösung der Banken passiert ja durch die Auflösung von Werten, die nicht verloren sind. Auch diese Krise wird vorübergehen." Was die derzeitige Situation betrifft, so seien allgemeine Strategieempfehlungen derzeit schwierig auszusprechen, sagt RZB-Experte Wolfgang Kalinka. Sicher sei: "Es gilt in diesen Zeiten der Volatilität umso mehr, sich abzusichern. Das Ziel ist eine gewisse Planbarkeit, um die Kosten kalkulieren zu können."

Umgang mit Risiko

Krise hin oder her - auch jetzt bleiben unternehmerische Grundsätze aufrecht. Und da wird die Bewertung des Umgangs mit Risiko laut Kalinka immer wichtiger: "Analysten sehen sich immer genauer an, wie Unternehmen mit ihren Risiken umgehen. Der Vorteil einer strategischen Absicherung: Geringe Schwankungsbreite bei den Unternehmensgewinnen schaffen Werte. Das Ziel ist eine langfristige Strategie und nicht aus dem Bauch heraus zu hedgen. Wir empfehlen deswegen, regelmäßig Risikopositionen abzusichern."

"Die gestiegene Unsicherheit in den Märkten macht eine verantwortungsbewusste und vorausschauende Planung der Unternehmensfinanzen noch wichtiger. Deshalb empfehlen wir unseren Kunden grundsätzlich bonitätssteigernde Produkte abzuschließen und Währungs-, Zins- und Rohstoffrisiken zu hedgen", heißt es aus der Bank Austria. Eine Notwendigkeit für Strategiewechsel sieht man angesichts der verschärften Lage an den Finanzmärkten nicht: "Selbstverständlich erfordert ein hoch volatiles Marktumfeld, wie wir es derzeit erleben, kurzfristige Anpassungen. Die grundsätzliche Strategie im Treasury behält aber unverändert Gültigkeit."

Verbesserung im Risikomanagement

Die Experten der Unternehmensberatung Deloitte rieten jüngst den Banken, ihr Risikomanagement zu überdenken und ihren Stresstest zu ändern. Völlig versagt habe in der aktuellen Krise aber nicht nur das Risikomanagement, sondern auch Basel II. Man habe "zuviel Last auf Ratingagenturen gelegt", so Deloitte-Mann Kurt Blecha. Was Basel II betrifft, so hätte die Dynamik der Märkte und die Geschwindigkeit der Produktentwicklungen neue und weitere Bereiche aufgezeigt, in denen Verbesserungen des Risikomanagements erforderlich seien, formulieren die Bank-Austria-Experten etwas vorsichtiger: "Exemplarisch genannt seien Themen wie Liquiditätsrisiko, Kontrahentenrisiken oder Ausfallsrisiken im Handelsbuch. Insofern sind Erweiterungen und Verbesserungen der aktuellen Regelungen zu erwarten." (Regina Bruckner)

 

  • Gerade in Zeiten höchster Volatilität ist vorausschauende Planung unerlässlich.
    foto: photodisc

    Gerade in Zeiten höchster Volatilität ist vorausschauende Planung unerlässlich.

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