Big Brother Awards: Steve Jobs, UPC und Maria Fekter unter den Nominierten

20. Oktober 2008, 10:20
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Apple-Boss für "notorische Entziehung des Rechts auf Eigentum" angeprangert - Auch die Google-Gründer und StudiVZ auf der Liste

Bereits am kommenden Samstag soll es so weit sein: Zum bereits zehnten Mal werden heuer die "Big Brother Awards" vergeben. Der Negativ-Award zeichnet all jene aus, die sich im vergangenen Jahr "im Feld der Überwachung, Kontrolle und Bevormundung ganz besonders verdient gemacht haben", wie es auf der zugehörigen Webseite heißt.

Prominenz

So finden sich auch diese Jahr wieder einige prominente Namen in der Liste der Nominierten, in der Kategorie "Business und Finanzen" ist etwa Apple-Boss Steve Jobs für die Auszeichnung vorgeschlagen. Konkret wirft man ihm dabei eine "notorische Entziehung des Rechts auf Eigentum" vor, als aktuellstes Beispiel verweist man nur auf den im iPhone 3G enthaltenen "Killswitch" mittels dessen der Konzern von außen Programme auf den Geräten der BenutzerInnen beenden kann.

Kontrollwahn

Jobs tritt dabei unter anderem gegen die UEFA an, der man vorwirft, dass sie im Rahmen der Fußball-EM eindrucksvoll demonstriert habe, wie man "ganze Stadtzentren zu grotesken Spaß-Hochsicherheitszonen" umbaut, und dabei die Freiheit mit absurden Sicherheitskontrollen killt.

Politik

In der Kategorie Politik findet sich jedes Jahr eine Art Stammplatz für die jeweils aktive Innenministerin, dank der Ablöse von Günther Platter durch Maria Fekter haben es dieses mal aber gleich zwei MinisterInnen in diese Liste geschafft. Platter habe sich dabei vor allem durch ein konsequentes Imitieren der Ideen des deutschen Innenministers Wolfgang Schäuble ausgezeichnet - mit dem Unterschied, dass in Österreich das Ganze auch gleich in die Realität umgesetzt wird.

Ranking

"Sie konnte noch so unausgegoren und technisch wahnwitzig sein, jede neue Überwachungsidee
Schäubles wurde hierzulande sofort und lautstark nachgeplattert" heißt es in der Begründung. Auch habe es Platter "geschafft", Österreich in seiner Amtszeit im Ranking von Privacy International von der Einstufung als "adäquat geschütztes" Land zum "systematischen Datenschutzversager" zu hieven.

SPG

Bei Fekter kritisiert man hingegen ihre Pläne für Videoüberwachung in Schulen, die sich "in Plumpheit und Unverschämtheit des Vorgehens" in etwa die Waage hielten. Auf der Liste nicht fehlen dürfen natürlich die Abgeordneten Günter Kößl (ÖVP) und Rudolf Parnigoni (SPÖ), die mit ihrer Nacht-und-Nebel-Verschärfung des Sicherheitspolizeigesetzes eine weitgehende Ausschaltung rechtsstaatlicher Kontrollinstrumente in Sachen Handy- und Internetüberwachung zu verantworten haben.

E-Card

Zu den weiteren Konkurrenten in der Sparte "Politik" gehören Gerald Grosz (BZÖ) und Heinz-Christian Strache (FPÖ) für ihre Idee Fingerabdrücke auf der E-Card zu speichern, sowie Wirtschaftsminister Bartenstein (ÖVP). Dieser hat das neue Arbeitslosenversicherungsgesetz (ALVG) zu verantworten, mit dem die Grundlage geschaffen wurde, "über Arbeitslose einen geradezu unbegrenzten Datenkatalog
anzulegen".

Wohnungen

In der Kategorie Behörden und Verwaltung hat man unter anderem Daniela Strassl, Direktorin von "Wiener Wohnen" nominiert. So wurden von der Organisation 220.000 Fragebögen an die Wiener MieterInnen verschickt, in denen sie ausführlich über ihre Meinung zum Wohnumfeld befragt wurden. Darunter auch der Hinweis, dass der Bogen "selbstverständlich" auch anonym verschickt werden könne. Ein Versprechen, dass im besten Fall als "irreführend" bezeichnet werden könne, denn selbst wenn der Name auf dem Fragebogen unkenntlich gemacht werden würde, wäre dieser über einen darauf befindlichen Strichcode noch immer eindeutig zuordenbar.

Verhandlung

Ebenfalls in dieser Sparte nominiert wurde EU-Handelskommissar Peter Mandelson für seine Beteiligung am "Anti-Piraterie"-Geheimvertrag ACTA, der seit 2007 von den USA und europäischen Ländern unter Ausschluss der Öffentlichkeit verhandelt wird. Gemeinsam für den Preis vorgeschlagen sind Mathias Vogl (Sektionschef), Alois Lißl (Sicherheitsdirektor Oberösterreich) und Franz Lang (Kabinettschef im Innenministerium) für die Koordination des Skandals um die Weitergabe sensibler Daten im Fall Zogaj.

Google

Äußerst prominente Namen finden sich auch wieder in der Kategorie "Kommunikation und Marketing". Niemand geringeren als die Google-Chefs Larry Page, Sergey Brin & Eric Schmidt hat man hier für ihre Datensammelleidenschaft vorgeschlagen, vor allem die versteckte Kommunikation des neuen Google-Browsers "Chrome" streicht man dabei heraus.

UPC

Die Konkurrenz kann sich aber auch  hier sehen lassen: So ist der Provider UPC für seine Zwangsumleitung von Tippfehler-Domains auf den Werbedienst von Infospace nominiert, eine Idee mit der in der Vergangenheit zwar schon prominentere Unternehmen Ärger auf sich gezogen haben, was UPC freilich nicht davon abgehalten hat, diesem "Vorbild" zu folgen. Ebenfalls vorgeschlagen ist hier Marcus Riecke, Geschäftsführer von StudiVZ, dem Online-Service, das in den letzten Monaten immer wieder wegen eines seltsamen Verständnisses von Datenschutz in die Kritik gekommen ist.

Präsentation

Die Vergabe der Big Brother Awards 2008 erfolgt - wie auch schon in den vergangenen Jahren - in einer Zeremonie im Theater Rabenhof in Wien. (apo)

 

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    grafik: big brother awards
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