Politologe: "Obamas Chancen stehen fifty-fifty"

19. Oktober 2008, 16:49
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Politologe Marvin King im STANDARD-Interview: Mississippi ist immer noch eine Hochburg der Republikaner

Mississippi sei immer noch eine Hochburg der Republikaner, sagt der Politologe Marvin King zu Frank Herrmann. Die Wahl des Demokraten Barack Obama zum US-Präsidenten wäre ein starkes Signal.

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STANDARD: Obama ist der erste Schwarze, der ins Weiße Haus einziehen kann. Wird man ihn im tiefen Süden wählen?

King: Nehmen wir an, Obama bekommt in Mississippi alle Stimmen der Schwarzen. Das wären 38 Prozent. Um zu siegen, bräuchte er dazu noch ein Viertel der Stimmen der Weißen. Und das sehe ich nicht. Wir haben es hier mit ausgeprägt konservativen Wählern zu tun. Die Bindung zu den Republikanern ist bei vielen sehr fest.

STANDARD: Warum?

King: Es begann Mitte der Sechzigerjahre. Barry Goldwater, damals das Aushängeschild der Republikaner, stimmte gegen den Civil Rights Act, der den Afroamerikanern gleiche Rechte garantierte. In dem Moment wurde Mississippi republikanisch. Seitdem hat die Grand Old Party hier fast alle Wahlen gewonnen, manchmal spielten Sachthemen dabei überhaupt keine Rolle.

STANDARD: Was hat sich seitdem in den Rassenbeziehungen geändert?

King: Mississippi hat heute mehr gewählte schwarze Offizielle als jeder andere Bundesstaat. Die Hauptstadt Jackson hat den zweiten schwarzen Bürgermeister in Folge. Vor 40 Jahren wäre das unvorstellbar gewesen. Die offene Diskriminierung ist passé. Was es noch gibt, ist eine selbstgewählte Trennung. In den Vierteln der Weißen leben nur wenige Schwarze, umgekehrt ist es genauso.

STANDARD: Wie sehen Sie die Zukunft?

King: In nicht allzu ferner Zukunft werden die Minderheiten der USA die Mehrheit bilden. Dann wird es normal sein, dass ein Schwarzer, Latino oder Asiate, um ein Beispiel zu nennen, Gouverneur eines Bundesstaats ist. Der Wandel wird kommen, es ist nur eine Frage der Zeit. Wenn Obama gewinnt, kann er eine Menge dazu beitragen. Es wäre ein starkes Symbol, würde im Weißen Haus erstmals eine First Family dunkler Hautfarbe wohnen.

STANDARD: Glauben Sie, dass Obama Präsident wird?

King: Ich bin nicht mehr oder weniger optimistisch, als ich es bei Al Gore (Kandidat im Jahr 2000, Anm.) und John Kerry (2004) war. Obamas Chancen stehen fifty-fifty. ZUR PERSON: Marvin King lehrt in Oxford an der University of Mississippi Politikwissenschaft.  (DER STANDARD, Printausgabe, 20.10.2008)

  • Zur Person
Marvin King lehrt in Oxford an der University of Mississippi Politikwissenschaft.
    foto: herrmann

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    Marvin King lehrt in Oxford an der University of Mississippi Politikwissenschaft.

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