Tomte: "Heureka"

19. Oktober 2008, 17:03
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Nichts ist so schön auf der Welt, wie betrunken traurige Musik zu hören - zumindest eine Albumhälfte lang

Thees Uhlmann ist nicht Marcus Wiebusch. Und Tomte nicht Kettcar. Klingt plausibel, ist auf "Heureka", der Anfang Oktober erschienenen, fünften Langspielplatte der Hamburger Kombo aber um ein Hauseck weniger vermessen denn je. Und das spricht durchaus für die Wandlungsfähigkeit der inzwischen fünfköpfigen Tomte, die sich verspielter geben als noch auf dem Vorgängeralbum aus 2006, "Buchstaben über der Stadt". Was auf dem aktuellen Album allerdings nicht durchgängig klappen will.

Zentrales Stück auf "Heureka", das sich ohne viel Federlesens in zwei Abschnitte unterteilen ließe, ist "Wie sieht's aus in Hamburg". "Da sind hundert, die dich lieben, wir zwingen die Zukunft zu funktionieren", singt Sänger Uhlmann da, nur ein Beispiel für die Verblumfeldisierung der mit Zitaten ohnedies nicht eben geizenden Hamburger.

Je weiter die Spielzeit voranschreitet, desto deutlicher das Streben nach der großen Geste, Zeilen wie "Nichts ist so schön auf der Welt wie betrunken traurige Musik zu hören" bauen auf die Gunst der üblichen Verdächtigen des deutschsprachigen Gitarrenpops der Neunziger, teils erschreckend banal wie über große Teile der zweiten Albumhälfte, andererseits aber sehr treffend und treibend, etwa im Titeltrack "Heureka".

Diese Nummer wie auch die andere bisher erschienene Singleauskoppelung, "Der letzte große Wal", zeigen ein ganz anderes Gesicht von Tomte, das eher an frühere Hymnen à la "Schreit den Namen meiner Mutter" vom fabelhaften 2003er-Album "Hinter all diesen Fenstern" erinnert als an die weichgezeichneten Tomte fünf Tracks albumabwärts.

Dabei sind Tomte gerade dann in Hochform, wenn sie laut und die Reime kurz und bündig sind. Thees Uhlmann, mit einer eingehend durchdringenden Stimme gesegnet, ist eben nicht Marcus Wiebusch, die Fußballer von St. Pauli - bei aller Sympathie - nicht Barcelona, Wanne-Eickel eben doch nicht New York. Für lange Herbstabende ist "Heureka", das am 10. Oktober beim Kettcar-Label Grand Hotel van Cleef erschienen ist, aber nicht die schlechteste Wahl. (flon)

  • Tomte: "Heureka" (Grand Hotel van Cleef/EMI)
    coverfoto: grand hotel van cleef

    Tomte: "Heureka" (Grand Hotel van Cleef/EMI)

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