Schwarze Höhenangst am Linzer Stadtpark

17. Oktober 2008, 18:36
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Der Protest einer Bürgerplattform gegen ein Passiv-Hochhaus-Projekt brachte selbiges zu Fall - Der Architekt Adolf Krischanitz sieht den Grund des Scheiterns in einer Wahlkampfstrategie der Linzer ÖVP

Linz - Es hätten Oberösterreichs erste Passiv-Hochhäuser werden sollen. Doch den Linzern geht dieses Siegerprojekt eines internationalen Architektenwettbewerbs zu hoch hinaus. Eine angeblich überparteiliche Bürgerinitiative bekämpfte erfolgreich den Bau der 13- und 14-geschoßigen Wohntürme in der Linzer Innenstadt. So bleibt das Areal der ehemaligen Stadtbetriebe das, was es ist: ein Betriebsbaugebiet mit 180 Parkplätzen und einer Tankstelle.

Bauträger Johann Brandstetter hat das für Freitag anberaumte Treffen mit der Bürgerinitiative abgesagt. "Die Initiative hat nur im Sinn, den Bau zu Fall zu brin- gen", begründet Brandstetter im Standard, warum er das Projekt jetzt auch gestoppt hat. Zwischen Gruber- und Huemerstraße sollte eine "neue, qualitativ hochwertige Wohnanlage" entstehen, erklärt Planungsstadtrat Klaus Luger (SP) die einstige Absicht. Der Wiener Architekt Adolf Krischanitz überzeugte im Sommer 2007 mit seinem Projekt "Am Linzer Stadtpark" alle Jurymitglieder des Wettbewerbs - auch die ÖVP.

Vier Wohntürme (13 Stockwerke) und ein markantes Eckgebäude mit Büros und Wohnungen (14 Stockwerke) in Passivbauweise plante der Architekt. Den angrenzenden Stadtpark habe er in die Anlage "hineinziehen" wollen, indem er die Häuser auf Stelzen gesetzt hätte, damit der Park unter ihnen durch geflossen wäre.

Monate nach der Prämierung des Siegerprojektes regte sich aber auf einmal in der ÖVP Widerstand gegen derartige "Wohnsilos". Eine Bürgerinitiative, angeführt von einstigen ÖVP-Funktionären, sammelte 2000 Unterschriften. 265 Wohnungen auf so engem Raum bärgen sozialen Zündstoff, lauteten die Vorbehalte.

"Wahlkampf erster Instanz"

Der Architekt lenkte ein und plante um. Er verzichtete auf zwei Hochhäuser, ein Kompromiss schien gefunden zu sein. Doch dann forderte die Bürgerinitiative weitere Änderungen. Brandstetter vermutet, dass die "Initiative von Anfang an andere Interessen als einen Kompromiss" verfolgt habe. Auch Krischanitz witterte bereits Parteiinteressen. "In Flugblättern hat die ÖVP bewusst Falschinformationen" verbreitet, beklagte er schon im März. Für ihn sei das "Wahlkampf erster Instanz". Nächstes Jahr sind in Linz Gemeinderatswahlen, die VP tritt gegen die alleinregierende SP an. Die VP betont hingegen, nur im Sinne des Anrainerschutzes zu handeln. Nun werde der Grundeigentümer, die Linz AG, jedenfalls den Betriebsgrund veräußern, erklärt Luger. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 18./19.10.2008)

 

  • Nur am Reißbrett wächst Linz in die Höhe. Das Passiv-Hochhaus-Projekt
ist am Protest der Anrainer gescheitert, somit haben sie weiterhin ein
Gewerbegebiet vor der Haustür.

    Nur am Reißbrett wächst Linz in die Höhe. Das Passiv-Hochhaus-Projekt ist am Protest der Anrainer gescheitert, somit haben sie weiterhin ein Gewerbegebiet vor der Haustür.

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