Die große Last des schweren Erbes

17. Oktober 2008, 17:36
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Die Constantia Privatbank, die der einstige Paradeindustrielle Österreichs, Herbert Turnauer, als erste Investmentbank des Landes etablieren wollte, musste aufgefangen werden. Das Turnauer-Imperium verliert eine prominente Säule

Wien - "Es ist zum Weinen: Christine de Castelbajac hat anscheinend ihr gesamtes Erbe verloren, Vermögen, das ihr genaugenommen gar nicht gehört." So beschreibt ein der Industriellenfamilie Turnauer sehr Nahestehender das, was man getrost auch als Niedergang eines Teils des Constantia-Reichs bezeichnen kann.
Im Satz inkludiert ist eine typische Turnauer-Wendung: Der Hinweis, dass der Großteil der Industriebeteiligungen von Castelbajac in einer liechtensteinischen Stiftung geparkt ist und somit nicht im Eigentum der Tochter des 2000 verstorbenen Konzerngründers Herbert Turnauer steht. Ein Satz, den der aus Böhmen stammende Industrielle selbst genauso gesagt hätte. Turnauer, einst nach seinem Vermögen befragt: "Alles in einer Stiftung. Ich habe nichts." Sein koketter Nachsatz: "Sozialfall bin ich aber keiner."
Sozialfall wird auch "Christl" trotz aller Turbulenzen der gerade noch aufgefangenen Constantia Privatbank (CPB; gehörte zu vier Prozent Castelbajac, zu rund 91 Prozent der ihr zuzurechnenden Constantia Packaging B.V.) nicht werden - aber ärmer. Trotz aller Planungen, die H. T., wie der eisern regierende Konzernherr genannt wurde, ab 1995 eingefädelt hatte. Turnauer, der Industriellensohn, der 1945 vor den Kommunisten aus Prag nach Wien geflohen (und nie wieder ins Land der "hässlichen Tschechen" , wie er sie nannte, zurückkehrte; auch nicht zur Hochzeit der Enkelin), hat sein in Östereich aufgebautes Industrieimperium damals zweigeteilt.

Teilung des Reichs


Constantia Packaging mit ihren Wellpappefabriken, Amag und der Sparte flexible Verpackungen (TeichAG) ging an die heute 62-jährige "Christl" . Der Rest, Constantia Industries mit den Sparten Holz (Funder) und Kunststoffe (Isovolta) an seinen Sohn Max. Dass Turnauers absolutes Lieblingsunternehmen, die TeichAG (stellt Milchpackerl ebenso her wie Medikamentenverpackungen, machte 2007 einen Gewinn von fast 20 Millionen Euro und schüttete 14,5 Mio. Euro Dividende aus), an den Zweig Christl ging, kam nicht von ungefähr. Die lebenlustige Fotografin, einst mit einem französischen Grafen verheiratet, dessen Geschäfte in Kanada schiefgingen, war Turnauers Augenstern.
Sein Verhältnis zu Sohn Max (Botschafter des Malteser Ritterordens - in Prag) hingegen war stets unterkühlt, in geschäftlicher Hinsicht hielt Turnauer nichts von seinem Sohn. Spätestens 1998 wurde das amtlich: "Apapa" (Opa) Turnauer hievte Max' Sohn, den 28-jährigen Stanislaus in den Vorstand, machte ihn zum Thronfolger. Das Erste, was nach Turnauers Tod geschah: "Salmannsdorf" (Turnauers Anwesen in Wien-Döbling, von wo aus er bis zu seinem Tod die Fäden zog und wo ab und zu der von ihm verehrte Otto Habsburg abstieg) wurde auf Initiative Max' geschleift und verkauft. Das Mobiliar der schon angejahrten Villa, war schon zu Lebzeiten Turnauers zweigeteilt worden. Auf jedem wertvolleren Gegenstand klebte ein Pickerl mit dem Namen "Christl" oder "Max" .

Geborgte Macht


Während er den eigenen Sohn außen vor ließ, bekamen andere im Turnauer-Reich viel Macht in die Hand - geborgte, die jederzeit wieder entzogen werden konnte. Josef Taus etwa, der den Constantia-Konzern ab 1978 mitaufbaute, wurde, als er für den Verkauf der Neusiedler Papierfabrik plädierte, über Nacht abgesägt. Dasselbe Schicksal ereilte Manfred Leeb (Neusiedler, H.T. verkaufte sie dann selbst), Herbert Liaunig (Funder), Christoph Kraus (CPB), Klaus Hammerer (Amag). Nur Guido Nikolaus Schmidt-Chiari "überlebte" alle: Der Exchef der Creditanstalt galt als Turnauers Ziehsohn, begleitete ihn jahrzehntelang - und behielt die Zügel (über die Vaduzer Stiftungen beider Zweige) auch nach H. T.s Tod in der Hand. "Stani" Turnauer soll sich zuletzt von Schmidt-Chiaris Einfluss entfernt haben.
Aus dem Umfeld des Exbankers folgten im Constantia-Konzern selbstbewussten Managern noch selbstbewusstere: CPB-Chef Kraus musste Karl Petrikovics, einst CA, weichen. Kraus hatte die unter Taus 1986 gegründete Bank behutsam geführt, Petrikovics überzeugte den Konzernherrn dagegen mit seiner Expanisonslust; er wurde auch Chef von Immofinanz und Immoeast Was bei Turnauer noch stach: adelige Herkunft. Karl Arco sitzt im Vorstand der Bank; Prinz Michael von Liechtenstein ist Aufsichtsratschef.
Bei den Rettungsgesprächen Donnerstagnacht war Castelbajac übrigens nicht dabei. "Der Kaufpreis stand ja fest: ein Euro" , kommentiert das ein Retter. Castelbajacs Geld ist auch nicht mehr dabei (siehe Bericht Seite 26), auch Schmidt-Chiaris Stiftungsvorstand hat schon anderweitig angelegt. Der Kreis um die ehemalige Bank der Turnauers könnte sich nun aber wieder schließen: Als Chef der Auffanggesellschaft ist Christoph Kraus im Gespräch. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.2008)

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