Alt und unbelehrbar

17. Oktober 2008, 16:39
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AC/DC kehren mit „Black Ice" noch einmal zurück. Das klingt so sensationell wie altbekannt. Die Welt mag im Wandel begriffen sein, aber: der Veränderung keine Chance!

Wien - In der Geschichte des Rock existieren einige unverrückbare Grundpfeiler. An ihnen zu rütteln verbietet der schlichte Geschmack. Zum Ersten wäre da zu erwähnen, dass Wiederholungen das Leben übersichtlicher gestalten. Zweitens: Es gibt Wiederholungen. Drittens: Erinnerung ist eine Lücke in der Zeit, die uns fehlt.

Acht Jahre nach ihrem letzten Album Stiff Upper Lip veröffentlicht die australische Rock-'n'-Roll-Institution AC/DC nun mit Black Ice neues Material im Zeichen des Immergleichen. Das klingt so aufregend wie altbekannt. Immerhin gilt es in diesem Metier als unabdingbar, die Phänomene einer sich ständig wandelnden Welt mit wuchtiger Verstocktheit und bewusst tiefergelegtem Schmäh nicht nur zu bekämpfen. Eine ohnehin fragwürdige Moderne dort drinnen in den großen Städten mit den krachenden Banken und sinkenden Gewinn-Margen muss mit altehrwürdiger Handarbeit unversöhnlich bekämpft werden. AC/DC sind die Rache der Provinz am urbanen Geschmäcklertum.

Arbeitsethos

AC/DC berufen sich dabei nicht nur auf ein altes, heute hinfälliges Arbeitsethos. Dieses besagt, dass man pro Jahr nicht mehr als zwei neue Songs schreiben kann - wenn man nicht als oberflächlicher Modenarr gelten will. Neben der in den Songtiteln und inhaltlichen Festigkeit verzeichneten Treue zu sich selbst und zum gröbsten Unfug, besticht man vor allem auch mit einer hochenergetischen Umsetzung von Kunst, die nach Schablone strebt. Was einmal geht, geht immer. Oder wie Neil Young einmal meinte: „It's all one song!"

Angus Young, der immer noch in Schuluniform steckende Mann im Hacklerregelungsalter, der 61-jährige Sänger Brian Johnson und der Rest der rüstigen Gang haben sich also auf Wertarbeit besonnen. Titel wie Rock 'n' Roll Train, Decibel, She Likes Rock 'n' Roll oder Rock 'n' Roll Dream sprechen eine klare Sprache. Mag sich in Chorsätzen und zurückgenommenem Tempo auch so etwas wie Altersmilde einschleichen. Diese Musik war immer hier. Sie ist und bleibt: unbelehrbar! Rocking All The Way. (Christian Schachinger/DER STANDARD-Printausgabe, 18./19. Oktober 2008)

 

 

  • Brian Johnson und Angus Young rocken sich mit AC/DC einmal mehr ins
unverrückbare Herz des Rock'n'Roll: den groben Unfug.
    foto: keystone/michele limina
    Foto: EPA/LIMINA

    Brian Johnson und Angus Young rocken sich mit AC/DC einmal mehr ins unverrückbare Herz des Rock'n'Roll: den groben Unfug.

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