Sie hockt auf ihm wie ein Ringer auf dem Besiegten, mit einem orangen Ding in der Hand. Schwer zu sagen, wie sie an sein Stanley rangekommen ist." Albtraum oder Wirklichkeit? Das fragt sich nicht nur der Leser, sondern auch Chefinspektor Tone Hagen, der sich zwecks Erholung in einer Klinik befindet. Und das kam so: Ein Verkehrsrowdy provoziert Hagen dazu, eine Bierflasche auf dem Gefährt zu zerdeppern. Das kommt nicht gut an und der Beschluss lautet, Chefinspektor Hagen hat ein Burn-out und braucht eine Auszeit, am besten nicht im heimischen Vorarlberg, das wäre peinlich, wenn die Presse dahinterkäme, sondern in einer süddeutschen Einrichtung.
Dort kann er mit Tanzkurs und Gruppentherapie zu sich selbst finden, das ist zumindest der Plan. Aber es kommt anders, denn in dieser Klinik sind nicht nur die Insassen sonderbar, auch das Personal ficht Kämpfe aus. Als Katalysator wirkt eine manipulative Femme fatale, die die Therapeutinnen zur Verzweiflung bringt, einen der Ärzte des sexuellen Missbrauchs bezichtigt und Hagen Avancen macht. Der erweist sich als resistent, denn er hat den furchtbaren Unfall seiner Verlobten noch nicht verwunden. Glücklicherweise sind bald seine ermittlerischen Fähigkeiten gefragt.
Franz Kabelkas schlanker Krimi ist eine ausbalancierte Wanderung zwischen Wahnwelten und Wirklichkeit, er hat nicht nur Dramatik, sondern auch Humor und eine eigene Kauzigkeit, die schon die zwei vorangegangenen Bücher kennzeichnet. (Ingeborg Sperl/Album, DER STANDARD-Printausgabe, 18./19. Oktober 2008)
Franz Kabelka, "Dünne Haut". € 19,90 / 219 Seiten. Haymon Verlag, Innsbruck 2008
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