Handelsangestellte hoffen auf Power der Metaller

17. Oktober 2008, 15:53
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Für die am Donnerstag beginnenden KV-Verhandlungen im Handel sind die Metaller entscheidend. Ihr Abschluss ist Richtschnur. Das Umfeld verschlechtert sich täglich

Wien - Nach den Metallern beginnt am Donnerstag das Feilschen um die Gehälter im Handel. Es geht um Lohnerhöhungen für 520.000 Beschäftigte, und es wird die schwierigste Kollektivvertragsrunde seit Jahren. Denn Energie- und Lebensmittelpreise haben die Inflation angeheizt, was vor allem die Bezieher niedriger Einkommen - traditionell die Angestellten im Handel - hart trifft. Andererseits lässt die flaue Konjunktur Umsätze und Erträge im Handel schmelzen.

Für Zündstoff ist damit gesorgt, heißt es aus Verhandlungskreisen. Auch wenn arbeitsrechtliche Aspekte diesmal weitgehend ausgeklammert bleiben sollen. Mit Einmalzahlungen sei es nicht getan, die Beschäftigten bräuchten nachhaltige Gehaltserhöhungen, meint der Handelsgewerkschafter Franz Georg Brantner. Fast jeder zehnte Mitarbeiter verdiene als geringfügig Beschäftigter weniger als 400 Euro im Monat und leide damit massiv unter steigenden Kosten. Längere Ladenöffnung habe den Arbeitsdruck zusätzlich erhöht.

Um einen realen Effekt zu erzielen, sei eine KV-Erhöhung von zumindest drei bis fünf Zehntelprozentpunkten über der Jahresinflationsrate von 3,5 Prozent notwendig. Im Vorjahr wurden die Gehälter um 3,1 Prozent angehoben.

Der Handel, vor allem Ketten, hätten 2007/08 "wunderbar" verdient. Der Blick in die Bilanzen der 25 größten Unternehmen zeige Erträge auf Industrieniveau und üppige Dividenden, stellt Karl Proyer, Vize-Bundeschef der Privatangestelltengewerkschaft GPA, klar.

Inflation wird sinken

Die Inflation sei derzeit optisch hoch, werde aber allen Prognosen zufolge sinken, ist Fritz Aichinger, Verhandler auf der Arbeitgeberseite, überzeugt. Der Großteil der Bilanzen sei alles andere als gut, vor allem bei kleineren Betrieben sehe es düster aus. "Aber wir sind keine Hire-and-Fire-Branche wie etwa die Automobilindustrie."

70 Prozent seiner Kosten entfielen auf das Personal, rechnet Fotolöwe Robert Hartlauer vor. Um eine KV-Erhöhung von vier Prozent abzufedern, brauche es mehr als zehn Prozent mehr Umsatz. "Das muss man erst verdienen." Gehaltserhöhungen in dieser Größenordnung würden den Handel massiv treffen, meint auch Cosmos-Chef Thomas Krenn, "weil sie 2009 und damit in einer wirtschaftlich schwierigen Zeit zur Wirkung kommen".

Die Chefverhandler der Metallerherbstlohnrunde, Hermann Haslauer (Arbeitgeber), Proyer (GPA) und Erich Foglar (Metallgewerkschaft) gingen Freitagvormittag fest entschlossen in ihre zweite echte Verhandlungsrunde, diesmal Nägel mit Köpfen zu machen. Vor allem die Arbeitnehmervertreter sind sich bewusst, dass jede weitere Verzögerung ihre Position schwächt. Je mehr sich Finanzkrise und Konjunkturabschwung ausbreiten, desto schlechter sehe es für die Betriebe konjunkturell aus und desto weniger Druck könne man mit dem Faktum erzeugen, dass das abgelaufene Geschäftsjahr vor allem für die Stahlproduzenten eines der besten in der Geschichte war. Den Metallverarbeitern gehe es ohnehin schlechter, sie können hohe Stahl- und Energiepreise kaum weitergeben.

Metaller-Löhne wurden im Vorjahr um mindestens 3,6 Prozent - zuzüglich Einmalzahlung - um rund vier Prozent erhöht.(Verena Kainrath, Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.10.2008)

  • Jetzt werden für Metaller, Industrie- und Handelangestellte Packerln geschnürt.
    foto: urban

    Jetzt werden für Metaller, Industrie- und Handelangestellte Packerln geschnürt.

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