Nordkorea nahm umstrittenen Reaktor wieder in Betrieb

27. Februar 2003, 08:18
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USA: "Pjöngjang isoliert sich weiter"

Washington - Nordkorea hat nach Angaben aus US-Regierungskreisen seinen umstrittenen Atomreaktor in Yongbyon wieder in Betrieb genommen. Der seit neun Jahren stillgelegte Reaktor sei innerhalb der vergangenen 24 Stunden wieder angefahren worden, verlautete am Mittwoch aus den Kreisen in Washington. Es gebe allerdings keine Anzeichen dafür, dass auch die atomare Wiederaufarbeitungsanlage wieder in Betrieb gegangen sei. Dies wird den Angaben zufolge als erster Schritt zum Bau weiterer Atomwaffen betrachtet.

Die US-Regierung erklärte, mit jedem Schritt, den Nordkorea zur Erweiterung seiner nuklearen Kapazitäten unternehme, isoliere sich das Land weiter. "Ich denke, das ist ein weiteres Beispiel dafür, wie das Regime in Nordkorea eskalierende Maßnahmen unternimmt, um weitere Zugeständnisse zu erhalten", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates des US-Präsidialamtes, Sean McCormack.

Der wirtschaftlich schwer angeschlagene kommunistische Staat hatte vor kurzem den Atomwaffensperrvertrag verlassen und die Kontrollore der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEO) des Landes verwiesen. Ende Dezember hatte Nordkorea angekündigt, binnen zwei Monaten einen Atomreaktor wieder anzufahren.

Die Anlagen in Yongbyon waren im Rahmen eines 1994 mit den USA geschlossenen Abkommens stillgelegt worden. Damals hatte sich Nordkorea zur Aufgabe seines Atomprogramms verpflichtet, und die USA sowie weitere Geber hatten zugesagt, Heizöl zu liefern und beim Bau zweier Reaktoren zur zivilen Nutzung der Atomenergie zu helfen. Im Oktober hatten die USA mitgeteilt, Nordkorea habe den Bruch des Abkommens zugegeben.

US-Präsident George W. Bush hat Nordkorea zusammen mit dem Irak und dem Iran wegen deren angeblichem Streben nach Massenvernichtungswaffen als Achse des Bösen bezeichnet. Nach Angaben des IAEO-Chefs Mohamed ElBaradei verfügt Nordkorea bereits über die Technologie, um in relativ kurzer Zeit Atomwaffen herzustellen. Seiner Ansicht nach könnte der kommunistische Staat in einem halben Jahr mehrere Atomwaffen produzieren, sollte die Wiederaufarbeitungsanlage in Yongbyon wieder angefahren werden.

Nach Einschätzung der USA ist das kommunistische Land bereits in der Lage, aus 8.000 früher gelieferten Brennstäben innerhalb weniger Monate fünf oder sechs Plutonium-Bomben zu bauen. Die US-Regierung vermutet, dass Nordkorea bereits über zwei Atombomben verfügt. Die neue Entwicklung dürfte den Streit um das nordkoreanische Atomprogramm weiter verschärfen. (APA/Reuters/AP)

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