DACtari und die Weinviertler

6. März 2003, 10:28
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Medial wird derzeit viel über die ersten DAC-Weine gejubelt. Ob sie in dieser Form tastächlich der erste Schritt zur vielgepriesenen Herkunftsvermarktung sind, wird die Entwicklung zeigen

Hinter der Herkunftsbezeichnung bei Weinen steckte ursprünglich die Idee, die Produzenten eines Gebietes vor Plagiaten zu schützen. Heute möchte man Konsumenten die Orientierung erleichtern und auf längere Sicht durch eine starke Marke, die für eine definierte Qualität steht, die Absatzmärkte der Produzenten sichern. Hier setzt auch das neu geschaffene Label "Districtus Austriae Controllatus" an. Die in jedem Gebiet selbstgewählte DAC-Definition soll einen Level garantieren, der erstens knapp über den Mindestbestimmungen für Qualitätswein liegt und zweitens gebietstypisch ist. Kontrolliert wird u. a. durch eine sensorische Prüfung einer auf DAC-Weine spezialisierten Kommission.

Der "DAC Weinviertel"-Wein steht für die größte Weinbauregion Österreichs, in der bisher neben der Sektgrundweinherstellung unterschiedlichste Rebsorten und Stile gepflogen wurden. Franz Prechtl, Winzer in Zellerndorf, Verfechter der DAC-Idee und Mitglied des regionalen Weinkomitees, zeigt sich mit dem derzeitigen Ergebnis "relativ zufrieden". Es sei positiv, dass das Potenzial nun von mehr als nur ein paar Betrieben getragen werde. "Jeder versucht derzeit, einen guten, DAC-würdigen Grünen Veltliner zu erzeugen."

Auch die Unverwechselbarkeit, die mit der Herkunft verbunden ist und an die Konsumenten eine gewisse Erwartungshaltung knüpfen dürfen, wird im Zuge der Debatte immer wieder bemüht. Willi Balanjuk, Konsulent bei der Weinhandelskette Wein & Co, wirft ein: "Was wird passieren, wenn es fünf Grüne Veltliner ähnlichen Typs aus unterschiedlichen Regionen, und das zu unterschiedlichen Preisen gibt?" Die DAC-Regelungen als "Profilierungschancen, die im Export vor allem mittelfristig positive Effekte bringen", befürwortet er mit Nachdruck. Er glaubt aber auch, dass "Kunden durch eine Zwei- oder Dreistufigkeit bei den Qualitäten besser geleitet" würden. Auch Prechtl meint, dass es in einem weiteren Entwicklungsschritt notwendig sei, Stufen zu definieren wie z. B. DAC klassisch und Lagen. Für höhere Qualitäten seien dann auch differenzierte Preise gerechtfertigt, so Prechtl weiter. Die Diskussion innerhalb des Komitees sei allerdings noch nicht so weit. Im Weinviertel hat man sich derzeit auf einen Mindestverkaufspreis von fünf Euro für DAC-Wein festgelegt, der in jedem Fall höher als der Durchschnittspreis für Weine dieser Stilistik und Region ist. Und warum auf der Weinviertelkarte,Die Teil des DAC-Logos am Etikett ist, "Wien" in deutlich größerer Schrift zu lesen ist als die drei wichtigen Weinorte der Region Retz, Poysdorf und Wolkersdorf, ist nur eine kleine Frage am Rande. (L. Schrampf, Der Standard/rondo/28/02/2003)

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    foto: tiscover
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