Ein ganz besond'rer Saft

6. März 2003, 21:09
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Österreich trat in Sachen Pinot Noir gegen den Rest Mitteleuropas an

Blauburgunder ist anders. Er kann extrem fein und delikat sein, muss aber nicht. Er kann Terroir transportieren wie keine zweite Rotwein-Sorte, und wenn er das so richtig schön tut, kann man ihn sich auch gleich nicht mehr leisten. Er ist einer der wenigen Rotweine, die ein ordentliches Quantum Säure vertragen und denen man andererseits verzeiht, wenn die Farbe jetzt nicht so wahnsinnig undurchsichtig ist. Pinot Noir ist sinnlich wie kein zweiter, nicht unbedingt leicht zu verstehen und noch weniger leicht zu beherrschen, weshalb ihn gerade in den vergangenen Jahren viele Winzer als Herausforderung betrachteten. In Österreich spielt er mengenmäßig zwar kaum eine Rolle (409 Hektar, 0,83 Prozent der Anbaufläche), beim Prestige macht er seit dem legendären 92er von Paul Achs aber ordentlich Punkte. Und außerdem ist er im Gegensatz zu Cabernet, Merlot und Syrah die einzige französische Edel-Rebe, die im etwas kühleren Klima durchaus die interessanteren Ergebnisse bringen kann.

Weshalb Blauburgunder auch seit jeher schon in Südtirol gepflanzt wird, für die besten Rotweine Deutschlands verantwortlich zeichnet und in der Schweiz zu legendären Weinen wie jenem von Martha und Daniel Gantenbein gekeltert wird. Genau das waren die Protagonisten, gegen die Österreichs Pinots vergangene Woche bei einer Verkostung antraten. Was insofern eine Veränderung darstellte, da sich heimische Top-Weine bei derlei, von der Österreichischen Weinmarketinggesellschaft und Wein-Autor August F. Winkler organisierten Tastings bisher immer der internationalen Spitze zu stellen hatten. Aber schon klar, gegen die aristokratischen Burgunder der Côte d'or hätten die Austro-Burgunder wahrscheinlich recht traurig ausgesehen, also maß man sich mit Gleichwertigem. Was ja auch Sinn macht.

65 Weine traten an, 26 davon aus Österreich, 19 deutsche, je zehn aus Südtirol und der Schweiz, 99er und 2000er durften eingereicht werden. Den Gesamtsieg errang der himmlische 99er von Gantenbein vor dem "Krafuss" 1999 von Alois Lageder aus Südtirol, dann schon Albert Gesellmann aus Deutschkreuz mit dem 2000er "Siglos", Paul Achs und Werner Zull aus Schrattental mit seinem 2000er, letzterer sicher die Überraschung aus österreichischer Sicht. Ebenfalls unter den ersten zehn platziert: Gsellmann & Gsellmann, Hans Nittnaus und Toni Hartl, in der Einzelwertung des Jahrgangs 2000 machten sich's die Österreicher überhaupt unter sich aus, gerade die Winzergenossenschaft Königschaffhausen aus Deutschland (Platz vier) und das Weingut Pircher aus der Schweiz trübten die Hegemonie. Weniger glorreich beim Jahrgang 1999, da schaffte Karl Fritsch immerhin den sechsten Platz.

Was aber doch auffiel: Der Pinot verzeiht wenig. Übertriebener Zuckereinsatz schlägt sich mit vordergründigem Zuckerl-Aroma zu Buche, der kräftige Druck auf den Knopf der Konzentrationsmaschine macht die Sache plump und mastig, Reife-Schinderei darf beim Pinot als Themenverfehlung betrachtet werden. Wie auch immer: Bei Pinot hat Österreich eine Chance, die man nützen sollte. (Florian Holzer, Der Standard/rondo/28/02/2003)

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