Schlappe für Blair im Londoner Unterhaus

26. Februar 2003, 22:50
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122 Labour-Abgeordnete stimmten gegen Irak-Krieg

London - Bei einer Irak-Abstimmung im britischen Parlament haben mehr als hundert Regierungsabgeordnete ihrem Parteifreund Tony Blair die Gefolgschaft verweigert. 122 der 199 Ja-Stimmen für einen Anti-Kriegs-Antrag kamen von Abgeordneten aus der Labour-Partei des Premierministers, wie am Mittwochabend in London bestätigt wurde. Dies war die größte Zahl von Parlamentsabweichlern in den eigenen Reihen seit Blairs Regierungsantritt 1997. Eine Mehrheit von 393 Abgeordneten wies den gegen Blairs Irak-Linie gerichteten Antrag allerdings zurück.

Bei einer zweiten Abstimmung votierten 59 Labour-Abgeordnete gegen einen Regierungsantrag, wonach Bagdad eine letzte Chance zur Abrüstung erhalten solle. Eine Mehrheit stimmte für den Text. Blairs Labour-Partei stellt 412 von 659 Abgeordneten im Unterhaus. Eine Mehrheit der Abgeordneten von der konservativen Opposition unterstützte in den Abstimmungen Blairs Politik.

Der Premierminister nahm zunächst nicht öffentlich Stellung zum Ausscheren seiner Parteifreunde, das in Anbetracht der ansonsten streng durchgesetzten Fraktionsdisziplin in der Labour-Partei als persönliche Niederlage Blairs gewertet wurde. "Das war ein von Herzen kommender Appell des Parlaments an den Premierminister, den Weg des Krieges zu verlassen", sagte der Labour-Abweichler Graham Allen. Die Menschen seien durchaus willig, Blair zu unterstützen - "nicht aber George Bush". Labour-Parteichef John Reid sagte in einer ersten Reaktion, er habe das Abstimmungsergebnis kommen sehen. Blair hatte vor den Abstimmungen in einer Rede versucht, die innerparteilichen Kritiker auf seinen Kurs einzuschwören.

Das britische Verteidigungsministerium gab unterdessen bekannt, die Hälfte der für einen Einsatz in Irak vorgesehenen britischen Kampfflugzeuge seien bereits in der Golfregion stationiert. Verteidigungsminister Geoff Hoon hatte Anfang des Monats angekündigt, 75 Jagdbomber der Typen Tornado, Jaguar und Harrier sowie etwa 30 Armeehubschrauber verlegen zu wollen. (APA)

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