Im Haus der Zotts wohnt auch eine Zeitung

17. Oktober 2008, 17:19
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Gabriele Zott aus Mödling hat ein Haustier aus Papier

Mödling - Gabriele Zott hat am 6. Oktober Geburtstag. Am 6. Oktober 1988 bekam sie ein Abonnement einer Tageszeitung geschenkt, die noch gar nicht auf dem Markt war. "Wir hatten bis dahin noch nie eine Tageszeitung abonniert, weil es keine gab, die unseren Interessen voll entsprochen hätte." Dann kam der STANDARD täglich ins Haus. "Am Anfang hat mir gefallen, dass sie so dünn war, keinen Sport und den Fokus auf Wirtschaft hatte."

Das konnte die Wirtschaftspädagogin an einer Höheren Technischen Lehranstalt auch beruflich gut nutzen. War etwa eine Steuerreform STANDARD-Thema, wurde das gleich im Unterricht verwendet. "Damit die Schüler begreifen, dass unser Fach aktuelle Relevanz hat." Besonders, seit die Zeitung täglich um sechs Uhr früh im schmucken Mödlinger Jahrhundertwendehaus gelandet war und vor dem Unterricht nach geeignetem Material durchforstet werden konnte.

Später gefällt auch, dass die Zeitung dicker wird und vielfältiger.

Und sie wird nicht nur gelesen. Die Zotts nützen auch die anderen Angebote wie etwa die Kooperation mit einem Tanzfestival. Lesern wird ermöglicht, in Workshops internationaler Choreografen mitzutanzen. Tochter Veronika macht mit - und tanzt bis heute. Zum Beispiel in einer aktuellen Produktion beim steirischen herbst. Überhaupt gewinnt die Kultur an Bedeutung im Hause Zott. "Seit ich in Pension bin, ist die Kultur das Erste, das ich lese, und nicht mehr die Wirtschaft."

Mit Ausnahme des Freitags. "Da lese ich das RONDO zuerst." Ist alles gelesen, wird die Zeitung abgelegt - für den späteren Einsatz als Geschenkpapier. "Das machen wir seit Jahren. Unsere Kinder und Freunde auch." Da wird aber nicht beliebig gewickelt, was gerade zur Hand ist, sondern es wird eine Seite mit einem Artikel gesucht, der irgendwie mit dem Geschenk in Verbindung steht.

Aber der Kern der Partnerschaft zwischen Gabriele Zott und dem STANDARD ist die liberale Grundhaltung. Sähe man diese in Gefahr, hätte die Beziehung eine Knacks. (Bettina Stimeder/DER STANDARD Printausgabe 18.10.2008)

  • Früher las Gabriele Zott von Berufs wegen. Heute zur persönlichen Bereicherung
    standard/stimeder

    Früher las Gabriele Zott von Berufs wegen. Heute zur persönlichen Bereicherung

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