Im Gegensatz zur Staatshilfe für UBS will die Schweizer Credit Suiesse ihr Risiko selber ausbaden
Zürich - Im Gegensatz zur um Staatshilfe ansuchenden UBS kann die Credit Suisse ihre "Ramschpapiere" alleine schultern. "Dieses Risiko können wir selber tragen und müssen nicht die Steuerzahler belasten", sagte Konzernchef Brady Dougan.
Auch die Credit Suisse sei von den Aufsichtsbehörden eingeladen worden, ihre illiquiden Problempapiere in den staatlichen Zweckfonds einzubringen, in welchen die UBS-Wertpapiere ausgelagert werden.
"Aber unsere infrage kommenden Anlagen im Wert von 10 Milliarden sind dafür zu gering", meinte Dougan in einem Interview mit dem "Tages-Anzeiger" vom Freitag. Natürlich bestehe das Risiko weiterer Abschreibungen. "Aber solange wir Zugang haben zu Kapital über den privaten Sektor, fühlen wir uns sehr wohl", so Dougan.
Anders als die UBS hatte die Credit Suisse am Vortag bekanntgegeben, 10 Mrd. Franken (6,54 Mrd. Euro) neues Kapital bei einer kleinen Gruppe von Investoren aufgenommen zu haben. Die Kapitalerhöhung habe die Credit Suisse "völlig freiwillig" durchgeführt, sagte Dougan: "Wir haben schon vor einigen Wochen mit der Planung dafür begonnen."
Verschärfte Situation
Die Situation habe sich stets verschärft. Sehr gut kapitalisiert zu sein, sei im Moment wohl das Beste, was einer Grossbank passieren könne. "Mit einer Eigenkapitalquote von 10,4 Prozent waren wir schon Ende September stark kapitalisiert."
Deshalb könne die Credit Suisse diese Kapitalerhöhung aus einer Position der Stärke vornehmen, meinte Dougan. Mit den zusätzlichen 10 Mrd. Franken steigt die Quote auf 13,7 Prozent. Das vermittle ein Gefühl der Sicherheit. "Wer in diesem turbulenten Marktumfeld 10 Mrd. Franken in eine Bank investiert, muss schon sehr viel Vertrauen in sie haben", so Dougan.
Die Credit Suisse werde ihre Risikopositionen weiter konsequent reduzieren. "Aufgrund der sehr unvorhersehbaren Situation kann heute niemand vollends ausschließen, dass er einen solchen Fonds vielleicht beanspruchen muss", befürchtet der Credit Suisse-Chef.
Insbesondere die Investmentbank werde weniger Risiko eingehen. Das werde auf die Bilanz durchschlagen. "Wir streben aber weiterhin eine Eigenkapitalrendite von 20 Prozent an", sagte Dougan. Es sei möglich, dass es schwieriger werde, so profitabel wie in der Vergangenheit zu arbeiten.
"Das trifft aber auf die ganze Industrie zu. Banken werden in Zukunft weniger Risiken eingehen - genauso wie unsere Kunden. Was nichts als vernünftig ist", meinte Dougan. Dies wirke sich auch auf Boni und Gehälter aus. "In diesem Umfeld wird die absolute Größe der Entschädigungen kleiner sein."
An welchem Punkt der Krise man heute stehe, könne er nicht sagen. "Wir haben in den letzten Monaten darauf verzichtet, eine bestimmte Position in dieser Frage einzunehmen, und sind damit gut gefahren", so der Credit Suisse-Chef abschließend. (APA/sda)