"Verlassen, dass da kein Blödsinn geschrieben wird"

17. Oktober 2008, 17:00
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Woher kennen wir das? Als Brigitte Huck nach zwei Jahren New York zurück nach Österreich kam, vermisste sie eine "New York Times" - Gut, dass es Oscar Bronner ähnlich ging und er deshalb den STANDARD gründete

Als Kuratorin und Kunstkritikerin Brigitte Huck 1980 mit ihrem Mann nach New York übersiedelte, genoss sie neben der dichten Kunstszene die "New York Times". Huck hatte Glück: Oscar Bronner ging es ähnlich. Bronner malte 13 Jahre lang in New York und gründete 1988 den STANDARD aus derselben Sehnsucht nach einer Qualitätszeitung.

Huck ist überzeugte Abonnentin der ersten Stunde: "Ich kann mich verlassen, dass kein Blödsinn geschrieben wird", sagt sie.

Als DER STANDARD erstmals erscheint, ist Huck 35 und arbeitet im Museum für angewandte Kunst als Kuratorin. 1993 macht sie sich selbstständig, weil sie sich "nicht am Wahnsinn der Museumsdirektoren beteiligen" will und betreut Projekte, etwa Kunst im öffentlichen Raum in Niederösterreich, eine Künstlerbuchreihe für die Bawag-Foundation und schreibt für Kunstzeitungen.

"Die Kulturszene in Wien ist damals explodiert", erinnert sie sich an die späten 80er. "Auf einmal waren Künstler und Galerien da, Museen wurden interessanter. Alle diese Leute hatten keine Zeitung. der Standard fiel in eine Zeit, in der sich Grundsätzliches geändert hat." Was gefällt am Standard? "Die Verlässlichkeit der antifaschistischen Haltung. Daran hat sich nichts geändert." Sie schätzt die Kolumnen von rau und dag, bewundert die Sorgfalt, mit der Bilder ausgesucht werden, nennt Chefredakteurin Alexandra Föderl-Schmid eine "coole Frau" und freut sich über Andrea Schurian als neue Kulturressortleiterin. Erklärter Lieblingsautor ist Musikjournalist Christian Schachinger: "Der ist so gut, ich hebe mir oft die Kritiken auf." "Grenzgenial", freute sich Huck etwa über den heftigen Madonna-Verriss.

Wirtschaft und Sport interessieren sie am Rande, und Kritik gibt es auch: "Das Feuilleton ist ein Trauerspiel." Nicht inhaltlich, Huck wünscht sich mehr Kulturseiten im STANDARD, zudem in der Chronik einen "genauen Stadtbeobachter, der den Verantwortlichen auf die Finger schaut und aufdeckt, was an Wahnsinnigkeiten in der Stadt passiert."

Letzter Hinweis an den Vertrieb: "Nur manchmal kommt er nicht." Wir arbeiten daran. (Doris Priesching/DER STANDARD/Printausgabe, 18./19.10.2008)

  • STANDARD-Leserin Brigitte Huck
    foto: standard/urban

    STANDARD-Leserin Brigitte Huck

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