Alles ändert sich - Der Schmäh bleibt

17. Oktober 2008, 17:00
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In 20 Jahren Werbegeschichte änderte sich die Einstellung zur fotografischen, filmischen und textlichen Qualität - Was soll man machen, schiach ist erfolgreich - Von Jan Mariusz Demner

Wenn ich aus dem Nähkästchen plaudern soll, fürchte ich immer ein wenig, ich steche mich. Oder jemand anderen. Also versuche ich es lieber sachlich bei dieser Zeitreise. Ist ja viel passiert in den letzten 20 Jahren:
1988 gab es in den Ateliers noch keine Computer. Man benötigte viele Helferlein außer Haus: Typo-Studios, Retoucheure, Lithografen. Irgendwo in der Agentur stand ein sündteurer Farbkopierer, man hoffte, dass die Junioren verantwortungsvoll damit umgingen, was natürlich keiner tat. Dann kam der Computer - und damit schickte man manch Lieferanten in den Ruhestand. Kurze Zeit später kamen die Digitalkamera und die Stockfotos aus dem Internet, damit fiel bei den Kollegen Fotografen manch schöner Layout-Auftrag weg. Heute produzieren wir schon Werbefilme fürs Internet im Haus.

Back to Trash

Wenn ich mir Arbeiten anschaue, die um 1988 herum entstanden, freut mich immer der beispiellos sorgfältige Fotostil. Damals hat man gefeilt bis zum Exzess. Heute weniger - obwohl die jungen Leute immer besser ausgebildet sind. Die Märkte haben sich gewandelt, wir haben heute ein schmales Luxussegment und einen breiten Pop-Markt, und der ist schnelllebig, single-minded und Trash. Als wir vor fast 10 Jahren die Familie Putz erfanden, jaulten wir innerlich auf - ist das trashig! Aber schiach ist heute erfolgreich, außerdem sind die Putzens heute veredelt, die am längsten laufende Soap im TV, gelten als Kult und haben höhere Bekanntheitswerte als der Bundespräsident. Fusionitis und Merger-Mania haben in den letzten 20 Jahren zu einer Verarmung an Wahlmöglichkeiten geführt - und zu einer Verarmung an Ideen. Als CA und Bank Austria fusionierten, führten wir damals bewusst zwei Marken weiter - mit unterschiedlicher Strategie und verschiedenen Kampagnen.

Entpersönlichung der Marken

Als CA und Bank Austria mit der deutschen Hypo-Vereinsbank-Gruppe verschmolzen, hatte es sich aufgehört mit der Trennung - es gab nur noch eine Kampagne. Als UniCredit-Tochter adaptiert sie bereits die italienische Mutterkampagne - wo ist sie geblieben, die "Bank zum Erfolg?" Vielleicht ist das der Grund der Bankenkrise: die Entpersönlichung der Marken. Zum Kundenschwund kommt eine Vermehrung der Medien. Ja, das Internet, da muss man eine gutgepflegte Website haben, mit Blog natürlich, gut verlinkt dauernd Banners schalten, um die attraktive Zielgruppe zwischen 12 und 14 zu erreichen. Leider macht das alles viel Arbeit, lohnt aber nur selten, wie wir neulich auf der Tagung der Zeitungsherausgeber in Schladming feststellten. Bloß schmale 3 Prozent Anteil am Werbekuchen: Internet-Werbung kommt nach zehn Jahren immer noch kaum vom Fleck. (Mariusz Jan Demner/DER STANDARD, Printausgabe, 18./19.10.2008)

Jan Mariusz Demner ist Miteigentümer von Demner, Merlicek & Bergmann.

  • Regine Hendrich, 18. Mai 2008Der Wiener Life Ball ist Produkt und Werbung in einem. Regine Hendrich pflückte mit ihrer Kamera die Blume der Nacht.
    foto: standard/regine hendrich

    Regine Hendrich, 18. Mai 2008
    Der Wiener Life Ball ist Produkt und Werbung in einem. Regine Hendrich pflückte mit ihrer Kamera die Blume der Nacht.

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