Xolox und "Magika"

20. Oktober 2008, 17:00
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Bänke fördern die Kommunikation mit Einheimischen. Das hat Katja herausgefunden und ist mit der Taktik des "Bankerlsitzens" sehr erfolgreich

Um eine Stadt neu zu entdecken, laufe ich einfach durch die Straßen und Gassen und warte ab, wohin sie mich führen. Wenn ich über einen schönen Platz spaziere, halte ich meist Ausschau nach einer Bank zum Verweilen und Beobachten. Die Bank ist mittlerweile einer meiner Lieblingsorte, denn es dauert nie lange bis sich jemand neben mich setzt. Und so habe ich schon einige interessante Menschen kennen gelernt.

In Guanajuato treffe ich Xolox, einen jungen Mann mit schwarzen Sonnenbrillen. Ich lese gerade im Programmheft des "Festival Cervantino", das zur Zeit hier stattfindet, als Xolox mich anspricht und mich für sein Projekt befragen will. Ich bin neugierig und nicke. Meine Lieblingsfarbe? "Blau", sage ich und schüttle den Kopf, "nein, kein spezifischer Blauton". Später erzählt er mir, dass "mein" Blau Teil eines großen Gesamtkunstwerks wird und dass er die Lieblingsfarben von über 3000 Menschen sammeln will. Jede genannte Farbe bzw. jeder Farbton wird aufgemalt und das vollendete "Farbenspiel" ausgestellt. Dann möchte der junge Künstler wissen, ob ich glaube, dass man in Mexiko von der Kunst leben kann. Ich halte kurz inne. Natürlich weiß ich, wie schwer es ist, mit Kunst seinen Lebensunterhalt zu verdienen und sage trotzdem ja! Über Xolox´s Gesicht huscht ein Lächeln, "danke, du gibst uns Hoffnung!"

foto: katja fleischmann
Xolox, ein junger Künstler reist durch Mexiko und lernt dabei sein eigenes Land besser kennen. Foto: Katja Fleischmann

Xolox, sein Bruder Xavier und eine Freundin reisen seit einem Jahr quer durch Mexiko um zu fotografieren. Die drei möchten aus ihren Bildern Postkarten kreieren und sind auf der Suche nach neuen, kreativen und unkonventionellen Motiven, die uns ein "anderes" Mexiko zeigen sollen. Sie fotografieren in erster Linie Menschen und Landschaften und lassen dabei ihren künstlerischen Ideen freien Lauf. Nun drückt Xolox mir einen Bildband in die Hand und bittet mich, mir mein Lieblingsbild auszusuchen. Während ich mir die Bilder ansehe, setzt er sich gegenüber auf die Gehsteigkante und raucht eine Zigarette.

Ich habe kein Lieblingsbild, sondern gleich mehrere und Xolox fragt mich nach den Titeln: "Nino paysano", "et-zen" und "Victoria". Der junge Mexikaner notiert meine Auswahl, kramt in seiner Tasche und gibt mir Abzüge der Bilder. "Mit einem freiwilligen Beitrag kannst du mithelfen, dass unser Projekt und unsere Idee eine Zukunft haben". Die drei Künstler wollen noch weitere zwei Jahre durch das Land ziehen und Bilder schießen. Meine, und die Spenden anderer Menschen helfen mit, ihr Projekt zu finanzieren. In einer Stadt wie Guanajuato, wo gerade ein Festival für Kunst und Kultur stattfindet, ist Xolox bestimmt am richtigen Ort um sein Projekt vorzustellen und Menschen zu treffen, die ihn dabei unterstützen. "Magika" heißt eine seiner Bilderserien und ich finde, dass der Künstler mit seinen Bildern ein wahrlich magisches Mexiko zeigt.

foto: katja fleischmann
Begeistertes Publikum: beim Elektro-Event blieb niemand auf den Stühlen. Foto: Katja Fleischmann

Am Abend besuchte ich dann ein Konzert, das im Rahmen des Festivals stattfand. Zwei renommierte DJs der Wiener Elektronikszene standen auf dem Programm und das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Eröffnet haben den Abend "El Instituto mexicano del Sonido", ebenfalls der elektronischen Musik verschrieben. Ich war fasziniert von den Künstlern und noch vielmehr vom Publikum. Neben mir tanzten nämlich nicht nur coole Twens sondern auch Kinder, ihre Eltern, Oma und Opas! Wahrlich magisch dieses Mexiko! (Katja Fleischmann)

Informationen:
Unter postales3er-ojo.blogspot.com gibt es mehr Info zum Projekt

  • Guanajuato: eine Stadt, ein buntes Häusermeer - und Austragungsort des berühmten "Festival Cervantino".
    foto: katja fleischmann

    Guanajuato: eine Stadt, ein buntes Häusermeer - und Austragungsort des berühmten "Festival Cervantino".

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