"Versteckspiele mag ich nicht"

17. Oktober 2008, 19:20
2 Postings

Der Tiroler Händl Klaus hat mit seinem Regiedebüt, dem verhaltenen Drama "März", bisher drei Preise eingesammelt: ein Porträt mit O-Tönen des Schauspielers und Dramatikers

Drei junge Männer sind gemeinsam aus dem Leben geschieden. Die Hinterbliebenen müssen mit der für sie unerklärlichen Tat zurande kommen - März entwirft diesen Prozess als präzise, ruhige Studie von Situationen und Verhaltensweisen. Der Film basiert auf einem Jahre zurückliegenden wahren Fall. Er entstand in Tirol, mit einem kleinen Team und einem Cast aus Schauspielern und Laien. Die fragmentarische Filmerzählung wiederum wurde dann noch einmal im Schnitt aus 90 Stunden Material entwickelt, sagt Händl im Gespräch mit dem Standard:

"Es sind schon bei den Proben manchmal Sachen passiert, die sehr schön waren, ich wollte das nicht verlieren. Außerdem ist es so, dass manche Schauspieler so einen Gestaltungswillen mitbringen. Da ist es gut, wenn man den verliert, und um den zu verlieren, braucht es einfach ein paar Takes. Und zu diesem Zeitpunkt haben die Laien dann vielleicht eine müdere Phase, und es braucht noch ein paar weitere Takes, bis beide gleichauf sind."

In den vergangenen Jahren machte der 39-jährige Tiroler vor allem als Dramatiker von sich reden (Ich ersehne die Alpen; So entstehen die Seen; Dunkel lockende Welt). Aber Händl trat bereits ab dem elften Lebensjahr am Innsbrucker Landestheater auf und stand später etwa für Jessica Hausner vor der Kamera (Inter-View, 1999). Die Erfahrungen als Darsteller, mit Regisseuren waren für den ersten eigenen Spielfilm wichtig: "Man redet, eigentlich ist es ein lautes Denken, gemeinsam mit den Schauspielern. Versteckspiele mag ich nicht - Regisseure, die manipulieren, die das eine sagen, weil sie das andere wollen und denken, sie kriegen es dann. Oder Leute, die Befehle erteilen, und du musst die dann ausführen - das fände ich total bescheuert. Ich habe immer direkt gesagt, was wir vielleicht versuchen sollten."

Händls Sozialisation als Kinogänger war eng mit dem Innsbrucker Programmkino Cinematograph verbunden: "Damals gab es zum Beispiel L'Homme blessé von Chéreau zu sehen, alle Fassbinder-Filme, Komm und sieh von Elem Klimov oder auch Straub/ Huillet. Ich bin überhaupt nicht provinziell aufgewachsen, was das betrifft. Ich empfinde die sogenannte Provinz ja ohnehin ganz anders, auch dort gibt es Leute, die internationale Zeitungen lesen und Elisabeth-Bronfen-Bücher kaufen und verschlingen. Man ist ja nicht abgeschnitten von der Welt. Das muss man auch einmal sagen - weil es immer heißt ,die Provinz mit ihrer Enge'. Ich finde Wien nicht weniger eng oder nicht unbedingt weiter - natürlich muss man noch einmal unterscheiden zwischen Innsbruck und den umliegenden Dörfern."

Weitere Filmprojekte sind jedenfalls in Vorbereitung - seine "Weggefährten" hat Händl nun gefunden, auch thematisch will er im Sinne von März weiterarbeiten: "Das wird sicher auch noch Thema der nächsten Filme sein: Was ist es, das uns Nähe ermöglicht, wie geschieht es, dass Nähe entsteht, und zwar innerhalb dieses Kriegsschauplatzes, der die Familie so oft ist. Da ist ja so viel verbrannte Erde, deswegen sind für mich diese Szenen im Film so wichtig, wo sich Leute umarmen - das gibt es ja auch, Gott sei Dank." (Isabella Reicher / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 18./19.10.2008)

20. 10., Gartenbau, 20.30;
Wh.: 23. 10., Metro, 11.00
Zusatzvorstellung: 22.10., 18:30, Künstlerhaus

  • Jeder für sich und alle allein: Geschwister, Eltern, Freunde suchen in "März" im Gefolge eines Dreifachselbstmords nach Gründen und Bewältigungsstrategien.   
    foto: viennale

    Jeder für sich und alle allein: Geschwister, Eltern, Freunde suchen in "März" im Gefolge eines Dreifachselbstmords nach Gründen und Bewältigungsstrategien.

     

     

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Klaus Haendl vor und mit dem Leoparen von Locarno

     

     

Share if you care.