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Landwirt und Vieh – aber die Welt britischer Bauern und Nutztiere ist alles andere als idyllisch.
Mit einer Digitalkamera in der Hand macht sich die Dokumentarfilmerin Molly Dineen auf den Weg, den gegenwärtigen Zustand der britischen Landwirtschaft zu erkunden. Sie setzt sich ins Auto, fährt von einem Hof zum nächsten und begleitet einige Viehzüchter durch den Arbeitsalltag.
Früh am Morgen sammelt Paul mit seinem Laster jeweils tote Tierleiber in der Region ein. Nicht etwa solche, die in der Nacht von einem Auto angefahren wurden, sondern sogenannte Ausschussware des liberalisierten Marktes.
Weil brasilianisches Fleisch viel billiger importiert werden kann, die Supermärkte die Preise drücken und die Konsumenten möglichst viel Fleisch für möglichst wenig Geld wollen, haben die Bauern auf den Britischen Inseln keine Chance.
Da werden Kälbchen geschlachtet, weil sie ein paar Pfunde zu wenig auf die Waage bringen und die Aufzucht sich finanziell nicht lohnen würde; da wird einem kranken Pferd der Gnadenschuss gegeben, weil Pflege und Medikamente zu teuer kämen - und das Leder wird anschließend auf dem Markt zu einem Schleuderpreis verscherbelt.
Dineen, eine der wenigen unabhängigen Dokumentarfilmerinnen Großbritanniens, dokumentiert den Irrsinn der globalisierten Landwirtschaft im Stil des Direct Cinema: unbeirrbar, direkt und aus gebührender Distanz. Hörbar schockiert durch die Tötung junger, gesunder Tiere, die sie miterlebt, fragt sie im Off immer wieder nach - "Aber warum dieses Kalb?" - und kommentiert das Geschehen hellsichtig und klar.
Tierfreunde, Fleischesser
Ausgangspunkt für die mutige Reportage, die mit einfachen technischen Mitteln komplexe wirtschaftliche Zusammenhänge aufzeigt, war das staatliche Verbot der Fuchsjagd in England und das Aufbegehren der einheimischen Jäger. Archivmaterial einer Protestkundgebung in London eröffnet The Lie of the Land, der in schlichter, aber umso wirkungsvollerer Weise nach dem Umgang des fleischessenden Menschen mit dem Tier fragt.
Mit ihrem Film steht die Regisseurin in einer Reihe konsum- und gesellschaftskritischer Dokumentationen, welche die Methoden und den zynischen Umgang des Turbokapitalismus mit menschlichen und tierischen Ressourcen anprangern.
Anders als der Österreicher Erwin Wagenhofer, der in We Feed the World Zusammenhänge durch erhellende Interviews einsichtig macht; anders als dessen Landsmann Nikolaus Geyrhalter, der in Unser täglich Brot ein Panorama von industrieller Nahrungsmittelproduktion in distanzierten Plansequenzen anlegt; anders auch als der Schweizer Erich Langjahr, der in Bauernkrieg Schlachtbilder bis zur Unerträglichkeit verdichtet, setzt Dineen auf den persönlich-fragenden Zugang. Dafür ist sie im Frühjahr mit dem Großen Preis der Visions du Réel in Nyon (Schweiz) ausgezeichnet worden. (Nicole Hess / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.10.2008)
18.10., Urania, 18.30;
Wh.:19.10., Stadtkino, 13.30
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