"Kein Durchbruch, aber kleiner Schritt vorwärts"

16. Oktober 2008, 19:28
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Japans Kandidat für den IAEO-Chefposten, Yukiya Amano, plädiert für neue Gespräche mit dem Iran

Bis zum Ende des Nordkorea-Konflikts sei es noch ein langer Weg, sagte er zu Julia Raabe.

STANDARD: Sie bewerben sich um den Posten des IAEO-Direktors in einer Zeit, in der Kritiker vor dem Aus des Atomwaffensperrvertrags warnen und einige den Iran schon mit der Atombombe sehen. Stecken die Bemühungen um Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen in einer Krise?

Amano: Ich würde eher sagen, das internationale Nonproliferations-Regime sieht sich Herausforderungen gegenüber. Die Bemühungen um Nichtweiterverbreitung zu stärken, ist eine der Antworten.

STANDARD: Die USA haben mit Indien einen Deal über Nuklearkooperation geschlossen. Schwächt das den Atomwaffensperrvertrag?

Amano:Die IAEO ist dafür verantwortlich, die Überwachungsmaßnahmen anzuwenden. Aus dieser Sicht: Mehr indische Anlagen unter Kontrolle zu stellen, ist meiner Meinung nach gut.

STANDARD: Der Atomstreit mit dem Iran steckt in einer Sackgasse. Wie kommt man da raus?

Amano: Kurzfristig müssen die IAEO-Überwachungsmaßnahmen voll angewendet werden. Ich wünsche mir auch, dass der Iran den Resolutionen des UN-Sicherheitsrats nachkommt. Dialog ist der einzige Weg. Nehmen wir Nordkorea: Es gibt einen Gesprächsrahmen. Es ist schade, dass es das im Falle des Irans nicht gibt. Ich hoffe, ein solcher Rahmen wird so rasch wie möglich geschaffen.

STANDARD: Meinen Sie damit auch direkte Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA?

Amano: Nicht notwendigerweise. Derzeit haben die EU-3 (Frankreich, Großbritannien, Deutschland, Anm.), China, Russland und die USA Vorschläge vorgelegt, auf deren Basis sie Verhandlungen beginnen wollen. Das habe ich im Sinn. Formell oder informell, das hängt davon ab. Einen Dialog zu beginnen, ist sehr wichtig.

STANDARD: Das größte Hindernis für den Beginn von Verhandlungen ist die Frage der Urananreicherung. Sollte der Iran diese Aktivitäten aussetzen vor Beginn von Gesprächen?

Amano: Der Iran sollte die Anreicherungsaktivitäten aussetzen, um den Dialog zu beginnen. Das wird auch vom Sicherheitsrat gefordert.

STANDARD: Die USA haben Nordkorea von der Terrorliste genommen, Nordkorea hat IAEO-Kontrollen gerade wieder zugelassen. Ist das der Durchbruch?

Amano: Was passiert ist, ist dass sich die USA und Nordkorea auf Maßnahmen geeinigt haben. Der nächste Schritt ist, ein Überprüfungsabkommen abzuschließen und das im Rahmen der Sechs-Parteien-Gespräche sobald wie möglich anzunehmen. Der Weg ist lang. Das Ziel ist die De-Nuklearisierung der koreanischen Halbinsel. Es ist ein kleiner Schritt nach vorne – aber es ist ein Schritt nach vorn. Ich hoffe, dass die IAEOeine wichtige Rolle in der Überprüfung der nordkoreanischen Nuklearaktivitäten spielen wird.

STANDARD: Sie haben angekündigt, die Organisation neu beleben zu wollen und die Bemühungen um Nicht-Weiterverbreitung und gegen Nuklearterrorismus zu verstärken. Was wollen Sie konkret machen?

Amano: Es ist sehr wichtig festzustellen, was die wichtigen Sachfragen sind, an denen die Agentur arbeiten muss. Das ist eine Sache, der ich Priorität einräumen möchte. Und die Umsetzung ist sehr wichtig, auch das Management und die Kommunikation – zwischen den Mitgliedstaaten und dem Sekretariat, zwischen den Departments, zwischen dem Senior management und dem Arbeitslevel. (IAEO-Chef) ElBaradei hat großartiges geleistet, auf dem Erreichten basierend möchte ich gerne die Aktivitäten der Behörde weiter stärken.

STANDARD: Wie schätzen Sie Ihre Chancen ein?

Amano: Gut. Ich bin sehr ermutigt. Ich erhalte starke und weitverbreitete Unterstützung. Das ist sehr wichtig. (DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2008)

Zur Person:
Yukiya Amano, 61, leitet die Vertretung Japansbei den Vereinten Nationen in Wien und bewirbt sich um den Posten desGeneraldirektors bei der Internationalen Atomenergiebehörde. Zuvor warer u.a. im Außenministerium in Tokio Direktor für Abrüstung undNichtweiterverbreitung.

  • Yukiya Amano
    foto: standard/fischer

    Yukiya Amano

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