Pioneer 10 nach 31 Jahren verstummt

26. Februar 2003, 21:12
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Ende einer NASA-Raumfahrtlegende

Knapp 31 Jahre nach ihrem Start ist die US-Raumsonde Pioneer 10 mehrere Milliarden Kilometer von der Erde entfernt vermutlich endgültig verstummt. Der Kontakt mit dem Weltraumveteran ist nach Angaben der Raumfahrtbehörde NASA abgebrochen. Das letzte Signal sei vor einem Monat aus mehr als zwölf Milliarden Kilometer Entfernung gekommen, teilte die NASA am Dienstag mit. Ein erneuter Kontaktversuch am 7. Februar schlug fehl, weitere Versuche sind nicht geplant. Pioneers Energieversorgung sei vermutlich endgültig erschöpft, hieß es.

"Pioneer 10 war ein Pionier im besten Sinne des Wortes. Nachdem sie bei ihrer langen Reise durch das All am Mars vorbei geflogen war, wagte sie sich in Bereiche vor, in denen noch nie etwas, das von Menschen gebaut wurde, vorgedrungen ist", sagte Colleen Hartman, NASA-Direktorin für die Erforschung unseres Sonnensystems. Projektmanager Larry Lasher sagte, die Sonde habe ihre Garantiezeit weit überschritten. Die Wissenschaftler hätten für ihr Geld einen guten Gegenwert erhalten.

Pioneer 10 gehörte zu den unerwarteten Überlebenskünstlern der Raumfahrt. Die Sonde war am 2. März 1972 zu einer auf nur 21 Monate ausgelegte Mission gestartet. Ihren ersten spektakulären Erfolg verbuchte Pioneer 10, als sie als erste Sonde den Asteroidengürtel durchquerte, eine Zone von kilometergroßen Brocken und Milliarden kleiner Gesteinsteile zwischen dem Mars und dem Jupiter. Entgegen allen Befürchtungen gelang der Sonde der Durchflug ohne Kratzer.

1973 lieferte sie die ersten Nahaufnahmen vom Riesenplaneten Jupiter und erreichte schließlich die Grenze unseres Sonnensystems. Auf ihrem Weg passierte die Pioneer 1983 als erste Sonde den Orbit des Pluto - der äußerste Planet unseres Sonnensystems. Überholt wurde sie allerdings 1998 von der 1977 gestarten Sonde Voyager I, die inzwischen noch weiter in den Weltraum vorgedrungen ist und auch noch weiter in Kontakt mit der Bodenkontrolle steht.

Offiziell endete die Mission der Pioneer 10 am 31. März 1997 - mehr als 25 Jahre nach dem Start. Aber auch nach dem offiziellen Ende gab die Sonde nicht auf. Immer wieder empfing das "Deep Space Network" der NASA Signale der Sonde. Als das letzte Signal Ende Januar empfangen wurde war die Sonde 12,2 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt - das ist die 82fache Entfernung zwischen der Sonne und der Erde. Das letzte Funksignal brauchte aus dieser Entfernung über elf Stunden, um die Bodenkontrolle zu erreichen.

Pioneer 10 gleite nun als stummes Geisterschiff in den interstellaren Raum, hieß es. Als Gruß an mögliche fremde Zivilisationen trägt die Sonde eine Goldplatte mit dem Abbild des Menschen und unserer Position im All. Die Flugroute von Pioneer 10 führt in Richtung des roten Riesensterns Aldebaran im Sternbild Stier, den sie in etwa zwei Millionen Jahren erreichen könnte. (APA/dpa)

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