Waffenlieferung frei Haus

26. Februar 2003, 19:47
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Insgesamt haben Private in Österreich mehr Schusswaffen als Exekutive und Bundesheer gemeinsam

Linz/Wien - "In den Griff bekommen wir das Problem nie", bedauert Alois Lißl von der oberösterreichischen Sicherheitsdirektion nach dem Auffliegen eines Rings von Waffennarren im Salzkammergut. "Es gibt zwar eine enge Kooperation mit den Kollegen aus Budweis, bei denen auch Informationen über Waffenkäufer aus Österreich ausgetauscht werden. Wie der aktuelle Fall zeigt, gelingt es aber dennoch, Waffen für den illegalen Markt in Tschechien zu besorgen", führt Lißl weiter aus.

Frei Haus Im Salzkammergut haben Händler aus dem Ausland die Tötungsinstrumente zum Teil auch frei Haus geliefert, berichtet der Beamte. Die rund 40 Verdächtigen haben die Waffen auch benutzt: Einzeln oder in kleinen Gruppen wurde in Stollen der Salinen geballert. Ein Mann habe mit einer Maschinenpistole, Marke Skorpion, sogar im eigenen Garten Schießübungen veranstaltet.

Dichte von Waffensammlern

In den vergangenen Jahren hat sich Oberösterreich immer wieder als ein Hort von Waffennarren präsentiert. Einen wirklichen Grund dafür kann Lißl nicht angeben. "Einerseits ist möglicherweise die Dichte von Waffensammlern hier tatsächlich höher. Andererseits sind unsere Beamten sehr engagiert und verfolgen jeden Hinweis in diese Richtung", versucht der Leiter der Kriminalabteilung zu erklären. Auch die Nähe zu Tschechien, wo es auch halblegale Waffenmärkte gibt, könnte eine Rolle spielen.

Privatarsenal

Die Zahl von Schusswaffen in privaten Haushalten in Österreich wird auf 1,5 Millionen geschätzt. Das sind mehr Pistolen, Revolver und Gewehre als bei Polizei, Gendarmerie und Bundesheer zusammen. Das Interesse an legalen Schusswaffen ist in den letzten Jahren allerdings zurückgegangen. Mit Stichtag 1. Jänner 2003 waren in Österreich 312.342 Personen im Besitz eines Waffendokumentes - um 13.800 weniger als 2002. Der Trend ist bereits seit 1998 rückläufig, damals wurde mit 360.805 Waffendokumenten das Rekordjahr der privaten Aufrüstung geschrieben.

Rückgang bei Besitzkarten

Am deutlichsten fiel der Rückgang bei Besitzkarten aus. 9000 Personen gaben die Dokumente, die den Besitz von Faustfeuerwaffen regeln, zurück und ließen ihre Waffen verschrotten oder verkaufen. Grund dürfte das verschärfte Waffengesetz samt Psychotest und Waffenführerschein sein. Die bürokratischen Hürden und die Gebühren - 400 Euro für den Psychotest und 50 Euro pro Waffenführerschein - dürften viele Möchtegernpistoleros abschrecken. Oder auf den Schwarzmarkt treiben. (moe, simo, DER STANDARD Printausgabe 27.2.2003)

zwischen tschechischen Anbietern und heimischen Kunden. Insgesamt haben Private in Österreich mehr Schusswaffen als Exekutive und Bundesheer gemeinsam.
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    Gefahr "Hauswaffe"

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