"Wir verlieren den Kampf gegen Hunger"

26. Februar 2003, 18:50
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UN-Experte nennt entmutigende Daten

Washington - Das Ernährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) sieht den internationalen Kampf gegen den Hunger als verloren an. Trotz der Anstrengungen von Regierungen und Hunderter Nichtregierungsorganisationen leiden laut WFP-Schätzungen mehr als 800 Millionen Menschen an Hunger, demnach sterben täglich 24.000 Menschen an den Folgen von Unter- und Fehlernährung.

Laut Angaben der Vereinten Nationen sind in diesem Jahr allein in Äthiopien elf bis 14 Millionen Menschen von Hunger bedroht. In Eritrea sind 2,3 Millionen Menschen, zwei Drittel der Bevölkerung, gefährdet.

Diese Zahlen nannte der Chef des Welternährungsprogramms, James Morris, am Dienstag vor dem Auswärtigen Ausschuss des US-Senats, und fügte hinzu: "Wir verlieren den Kampf gegen den Hunger." Dies gelte nicht nur für Notstandsgebiete wie Nordkorea, Afrika oder Afghanistan. Während die Armut in den 90er-Jahren um 20 Prozent zurückgegangen sei, habe der Hunger lediglich um fünf Prozent eingedämmt werden können. Die Zahl der Hilfseinsätze sei in den vergangenen Jahren sprunghaft angestiegen.

"Wir sind inzwischen ein Rettungsdienst für die Verhungernden", betonte der WFP-Vorsitzende. Fast 80 Prozent der Arbeit des Ernährungsprogramms hängen mit Noteinsätzen zusammen. Das WFP ist mittlerweile gezwungen, bestimmte Hungergebiete im Stich zu lassen, um anderen helfen zu können.

Mit einem möglichen Irakkrieg werde voraussichtlich ein Einsatz auf die Hungerhelfer zukommen, der bisherige Hilfseinsätze in den Schatten stellen werde. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2003)

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