"Pioneer 10" zeigt den Außerirdischen, wie die Menschen aussehen

27. Februar 2003, 10:45
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Abschied von der intergalaktischen Flaschenpost

Gemessen an der heutigen Finanzsituation der US-Raumfahrt war "Pioneer 10" noch ein Kind reicher Eltern. Schon während die ersten Menschen 1969 zum Mond flogen, also zu einer Zeit, in der das Prestige der USA die Geldzuweisungen vorgab, gingen die Nasa-Techniker mit der Raumsonde quasi schwanger.

Will man ihren Start gleichsetzen mit ihrem aktiven Lebensbeginn, dann lautet ihr Geburtsdatum 2. März 1972, 20.45 Uhr: Eine Atlas-Centaur-Rakete wuchtet den 270 Kilo leichten "Pioneer" ins All, drei Monate später hat der Kleine schon knappe 130.000 Stundenkilometer drauf, das rund 60-fache dessen, was so eine lahme Ente wie die Concorde maximal fertig bringt.

Tempo war auch notwendig, galt es doch, aus unserem Sonnensystem herauszukommen, solange der Pionier noch in jugendlicher Frische Daten senden konnte. Daten für irgendwelche Aliens, die ihm vielleicht begegnen, hat er in Form einer Goldplatte mit; gestaltet vom legendären Astronomen Carl Sagan. Mit einfachen grafischen Linien, die einen logischen Bezug zueinander bilden, stellte Sagan unser Sonnensystem dar. Die zwei berühmt gewordenen Nackedeis auf der Platte, die zeigen sollen, wie wir Menschen aussehen, steuerte übrigens Sa- gans Frau Linda bei.

Ausgerüstet mit dieser in-tergalaktischen Flaschenpost für die "unendlichen Weiten des Weltalls" ging es aber vorerst Richtung Jupiter. Keine ungefährliche Reise, denn zwischen Mars und Jupiter liegt ein Asteroidengürtel aus Trümmern eines zerborstenen Planeten. Der Pionier schummelte sich wacker durch all die Schrottteilchen durch und schickte im Dezember 1973 sensationelle Nahaufnahmen vom Jupiter.

Von der Anziehungskraft des Jupiters holte sich "Pioneer 10" auch den Schwung zum Weiterflug, 1983 verließ er das Sonnensystem nach einer Umrundung des weit entfernten Planeten Pluto. Seitdem rauschte er mit einer Geschwindigkeit von zwölf Kilometer pro Sekunde durch den Kosmos. Immer weiter weg von uns, immer seltener "gesprächsbereit", nicht einmal Nuklearbatterien aus radioaktivem Plutonium halten ewig.

So kam es zum Abschied der Menschen von ihrem All-Pionier: Am 7. Februar versuchte es die Nasa noch einmal, Signale aus inzwischen 12,2 Milliarden Kilometer Entfernung aufzufangen - vergeblich.

Nun ist er endgültig "abgenabelt" und unterwegs Richtung Aldebaran, einem roten Stern im Sternbild Stier. Sollte er dort ankommen, werden inzwischen zwei Millionen Jahre vergangen sein.

Das ist die Unsicherheit in seiner unendlichen Mission: Sollte ihn dort ein intelligentes Wesen finden, kann es nicht sicher sein, ob Frau Sagans Menschenbild noch das richtige ist. (Klaus-Peter Schmidt/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 27. 2. 2003)

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