Ein Fall für rote Nasen

27. Februar 2003, 20:23
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27.2.2003 - Schon zum Frühstück regnet es Konfetti, mittags wird der Sekt entkorkt, und am Abend ...

... steigt wieder einer in die Bütt und redet - die Indizien dafür, dass der Fasching immer länger dauert, verdichten sich. Via Kabel-TV sieht sich der geneigte Fernseher mit einschlägiger Berichterstattung in kaum vorstellbarem Ausmaß konfrontiert. Die Kiste brummt und ist jetzt täglich voller Narren. Die haben erkannt: "Lachen macht Spaß", und singen fröhlich "Mer losse d'r Dom in Köln".

Berührungsängsten begegnet man mit sensiblen Bildungsprogrammen ("Karneval in Trinidad"). Unterschiedlichen Zielgruppen werden "Kinderkarneval - Kinderstunksitzung", "Weiberfastnacht" oder "Rosa Sitzung" angedient. Traditionalisten sind bei Klassikern wie "Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht" bestens aufgehoben. Der Wagemutige wohnt dagegen lieber land-ab- und -aufwärts gepflogenen Eigenheiten bei: "Es is rüü bi nüü" - der Wasunger Karnevalsumzug, live -, "Narrensprung in Mindelheim", "Schwäbische Fasnet aus Gundelsheim", "Karneval in Köln", "Tradition und neuer Schwung - Määnzer Fastnacht, die hält jung", "Läwe on läwe losse", "Klaaf und Tratsch auf kölsche Art" usf.

Kurz gesagt: Der Verkleidungs-, Umzugs- und Schunkelverweigerer hat derzeit also ein Problem. Was hilft? Zum Beispiel historische Kinderfaschingskostüm-Ratespiele bei Harald Schmidt (leider schon vorbei) oder "Charlottes große Karnevalsdepression" - die kommt noch, am Faschingsdienstag auf Viva. (irr/DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2003)

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