Nicht mal im Ameisenstaat sind alle gleich

26. Februar 2003, 20:00
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Finnische Studie: Enge Verwandte werden bei der Pflege und Aufzucht bevorzugt behandelt

Helsinki/London - Finnische Biologinnen haben die als allzu menschlich geltende Vetternwirtschaft auch unter Ameisen beobachtet. Arbeiterinnen der Schwarzen Sklavenameise (Formica fusca) "bevorzugen enge Verwandte bei der Pflege und Aufzucht von Eiern und Larven", berichten Minttumaaria Hannonen und Liselotte Sundström in der britischen Zeitschrift "Nature". Die Biologinnen der Universität Helsinki hatten für ihre Studie zehn Kolonien der auch als "Furchtsame Hilfswaldameise" bekannten Art mit jeweils zwei Königinnen untersucht.

Das "nepotistische Verhalten" zeigt nach Meinung der Wissenschafterinnen, dass die Arbeiterinnen der Ameisenkolonie sich nicht nur über ihre verwandtschaftlichen Verhältnisse im Klaren sind, sondern auch "eigensüchtigen genetischen Interessen" verfolgen. Die intensivere Betreuung von Eiern und Larven einer genetisch näher stehenden Königin erhöht demnach den Anteil eng verwandter Nachkommen in der Kolonie.

Universeller Egoismus

Bei Ameisen sind ungeflügelte Weibchen, die Arbeiterinnen, in der Regel unfruchtbar. Ein befruchtetes Weibchen wird Königin der Kolonie und legt die Eier. Die Männchen sterben nach der Paarung, während die Arbeiterinnen für Nahrung sorgen und sich um die Nachkommen kümmern.

Durch die Bevorzugung ihrer eigenen Verwandtschaft könnten die einzelnen Ameisen ihren genetischen Beitrag zu künftigen Generationen der jeweiligen Kolonie verstärken, heißt es in dem Beitrag für "Nature" weiter. Bisher hätten Forscher Nepotismus unter Insekten lediglich bei Honigbienen (Apis mellifera) festgestellt. Die nun auch bei den Ameisen konstatierte Form egoistisch motivierter Auswahl sei aber "wahrscheinlich ein universeller Bestandteil von Gesellschaften". (APA/dpa)

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