Dioxine sind kein Problemstoff der Moderne

26. Februar 2003, 20:00
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Torffeuer küstennaher Siedlungen haben vermutlich seit vielen Jahrhunderten erhebliche Mengen des Umweltgifts produziert

London - Die Krebs erregenden Dioxine sind einer britischen Studie zufolge nicht erst ein Umweltproblem der modernen Industrie. Torffeuer küstennaher Siedlungen haben vermutlich seit vielen Jahrhunderten erhebliche Mengen der Umweltgifte produziert, wie Andy Meharg und Kenneth Killham von der Universität Aberdeen im Fachjournal "Nature" berichten.

Die Forscher erklären damit auch Dioxin-Funde in Bodenproben aus dem 19. Jahrhundert, deren Ursprung bisher rätselhaft war. Denn Dioxine gelten vor allem als Nebenprodukte der modernen Chlorchemie, die seit den 1950er Jahren erheblich gewachsen ist.

Begehrte Energiequelle

Wegen des Holzmangels an den nordatlantischen Küsten war Torf dort lange Zeit die Hauptenergiequelle, wie Meharg und Killham schreiben. Durch die Nähe zum Meer enthält der Torf in diesen Gebieten jedoch viel Salz (Natriumchlorid). Ein hoher Chlorid-Anteil ist Voraussetzung für die Entstehung von Dioxinen bei der Verbrennung. Tatsächlich entdeckten die Forscher einen Dioxin-Gehalt von bis zu 61 Milliardstel Gramm (Nanogramm) pro Kilogramm schottischer Torf-Asche.

Auf Basis der durchschnittlichen Haushaltsgröße vergangener Zeiten errechneten Meharg und Killham, dass die Torffeuer der schottischen Highlands und Inseln zusammen pro Jahr bis zu einem Kilogramm Dioxin produziert haben. Eine hohe Menge im Vergleich zu den jährlich insgesamt knapp elf Kilogramm Dioxin, die heutzutage in britischen Müllverbrennungsanlagen entstehen. Torf werde an den Küsten vermutlich seit Jahrtausenden verbrannt, und die langlebigen Dioxine könnten sich in der Umwelt global verteilen. Daher sei die moderne Industriegesellschaft nicht allein für das ausgedehnte Umweltproblem verantwortlich, meinen die schottischen Forscher.(APA/dpa)

Vgl. "Nature" (Bd. 42, S. 909)
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    Ein Kochkessel wird mit Torfklumpen befeuert

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