Superteleskop ALMA unter Dach und Fach

26. Februar 2003, 16:49
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Europäische und amerikanische Partner untzeichneten Vertrag - größtes Radioteleskop der Welt soll 2011 fertig gestellt sein

Washington - Nun sind die letzten Hürden für die Errichtung des seit Jahren geplanten Superteleskops "Atacama Large Millimeter Array" (ALMA) genommen, die Verträge zwischen US National Science Foundation (NSF) und Europäischer Südsternwarte (ESO) über Errichtung und Betrieb wurden unterzeichnet, heißt es in einer Aussendung der ESA. ALMA wird das größte Radioteleskop der Welt sein und soll 2011 fertig gestellt sein.

Im Vollausbau soll ALMA aus 64 Antennen mit jeweils zwölf Metern Durchmesser bestehen. 7.000 Quadratmeter Antennenfläche werden Wellen im Millimeter- und Sub-Millimeter-Bereich erfassen, also "Licht", das zwischen dem Radiowellen- und Infrarot-Bereich liegt. Den Astronomen ist im optischen Bereich (das für das menschliche Auge sichtbare Licht, Anm.) sehr oft die Sicht durch riesige Gas- und Staubwolken verwehrt. Genau dort aber passieren einige der aufregendsten Ereignisse im Universum, etwa die Sternenentstehung. Wellen im Millimeterbereich durchdringen diese Wolken dagegen mühelos.

Blick in die Vergangenheit

Irgendwann beginnen Gas- und Staubwolken zu kollabieren und zu rotieren, schließlich kann sich die Materie zu Sternen zusammenzuballen. Ist die kritische Masse erreicht, beginnt die Kernverschmelzung, ein neuer Stern geboren. Diese Galaxien- und Sternengeburten finden in Milliarden Lichtjahren Entfernung statt. Da der Blick in solche Tiefen des Weltalls immer auch eine Reise in die Vergangenheit bedeutet, beobachten die Astronomen damit Ereignisse, die nur rund 100 bis 250 Millionen Jahre nach dem Urknall stattfanden, kurz nachdem die Materie nach dem Chaos des Urknalls zu leuchten begonnen hat. Sie sehen das erste sichtbare Licht des heute auf ein Alter von rund 15 Milliarden Jahre geschätzten Universums.

Von den 64 Radio-Antennen, die beweglich angeordnet werden, so dass sie zusammengeschalten wie ein riesiges Teleskop von bis zu 14 Kilometer Durchmesser arbeiten können, erwarten sich die Astronomen neue, sensationelle Erkenntnisse: Erstmals könnte damit direkt das vermutete Schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße beobachtet, erstmals die Entstehung erdähnlicher extra-solarer Planeten untersucht, erstmals komplexe organische Moleküle wie Peptide oder Proteine - und damit weitere Hinweise auf mögliches Leben im All - gesichtet werden. Auch für Beobachtungen in unserem Sonnensystem eignet sich das Instrument, etwa für die Analyse des Wetters auf anderen Planeten mit einer Auflösung von nur zehn Kilometern.

Der Fahrplan

Die Kosten von ALMA sind mit rund 600 Millionen Euro veranschlagt sind, zum ersten globalen Astronomie-Projekt. Die ersten Antennen könnten 2005 installiert werden, erste wissenschaftliche Beobachtungen wären dann 2007 möglich. Die Fertigstellung ist im Jahr 2011 angesetzt.

Als Standort haben die Astronomen einmal mehr die Atacama-Wüste im Norden Chiles ausgewählt, wo bereits auf zwei rund 2.500 Meter hohen Bergen Teleskope der ESO stehen. Diesmal gehen die Forscher noch weiter: ALMA soll auf der Hochebene Chajnantor in 5.000 Meter Seehöhe gebaut werden, der höchstgelegene jemals gewählte Standort für ein Observatorium. Als einer der trockensten Plätze weltweit bietet er optimale Bedingungen für die Beobachtungen. (APA)

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