Fujitsu Siemens will erneut stärker wachsen als der Markt

26. Februar 2003, 14:46
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Kooperationsgespräche mit heimischen Mobilfunkbetreibern - Weiter Zurückhaltung bei Investitionen

Europas größter Computerhersteller Fujitsu Siemens ist mit der Entwicklung im aktuellen Geschäftsjahr zufrieden: "Der IT Hardware-Markt ist in keiner berauschenden Verfassung. Dafür, dass für den Gesamtmarkt 2002 ein sieben- bis neunprozentiger Rückgang vorausgesagt wird, haben wir uns aber recht gut gehalten", erklärte Konzernchef Adrian von Hammerstein vor Journalisten.

Plus

Fujitsu Siemens sei laut vorläufigen Zahlen der IDC mit einem Plus von zwei Prozent als einziger Top-4-Hersteller bei Intel-basierten Produkten gewachsen: Bei Hewlett Packard (HP) sehe man nach dem Merger mit Compaq anhand eines 17-prozentigen Rückgangs, dass eins und eins eben nicht zwei sei. Auch IBM würde laut den Zahlen ein einstellig negatives Wachstum aufweisen, und sogar Dell gehe "ohne Wachstum nur geradeaus". Die eigene Vorgabe, um fünf Prozent stärker als der Markt zu wachsen, habe man daher übertroffen. Das für das zweite Halbjahr des Geschäftsjahres angestrebte ausgeglichene Ergebnis werde man aus heutiger Sicht "hinkriegen". Im dritten Quartal liege Fujitsu Siemens sogar über Plan.

Steigerung

Die Österreich-Tochter des deutsch-japanischen Gemeinschaftsunternehmens habe ihre Marktanteile nach einem Einbruch im vierten Quartal 2001 wieder kontinuierlich steigern können, so Marcus Dekan, Managing Director von Fujitsu Siemens Computers Österreich. Für 2003 werde erneut ein Wachstum angestrebt, das über dem des Gesamtmarktes liegt.

Eine der größten Chancen ortet Dekan bei den Klein- und Mittelbetrieben, denen man mit einer weiteren Forcierung des Partnergeschäftes begegnen will. "Wir konzentrieren uns auf die Entwicklung von Hardware. Dienstleistungen und Consulting steuern unsere Partner bei. Das ist aber nicht bei allen so: Viele Mitbewerber machen den eigenen Partnern Konkurrenz", ergänzte Hammerstein. Der Servicebereich sei natürlich ein starker Wachstumsträger. "Dieser stabilisierende Faktor fehlt uns, andererseits sind wir dadurch flexibler."

Zielgenau

Oberstes Gebot sei nun eine Fokussierung auf Vertrieb, Business Critical Computing und Mobilität. Besonders der Wachstumsmarkt Mobilität sei ein Thema, "dem sich alle Unternehmen stellen müssen, sowohl was die Mitarbeiter als auch die Kunden betrifft". Entscheidend für den Durchbruch einer Technologie sei nach wie vor die einfache Handhabung, so Hammerstein. Vor allem Produkt-Bündelungen, zum Beispiel die Zusammenarbeit von Geräteherstellern und Netzbetreibern bei Smartphones, erleichterten den Endkonsumenten den Alltag. Mit Vodafone gebe es bereits eine Kooperation, nun würden auch in Österreich "Annäherungsgespräche" geführt - unter anderem im Bereich Verkehrssteuerung.

Die Zurückhaltung bei Investitionen mache Fujitsu Siemens Österreich sehr zu schaffen. "Wir spüren das Fehlen einer neuen Regierung, das bremst", so Dekan. Gerade im öffentlichen Bereich gebe es großen Nachholbedarf. Stabil entwickle sich hingegen der klassische Mittelstand, wo der Einbruch nicht so vehement spürbar sei.

Kunden

Das Fujitsu Siemens-Geschäft verteile sich derzeit zu 60 Prozent auf Großkunden, 20 Prozent Mittelstand und 20 Prozent SOHO (Small Office, Home Office). Im Consumerbereich, der sich inzwischen "wieder selbst trägt", habe man restriktiv reagiert, da die Profitabilität hier sehr schwer erreichbar sei. "Wir machen nur mehr profitable Deals in diesem Segment, was natürlich zu Volumsrückgängen führt", sagte Dekan. Wenn man sich die Marktanteile ansehe, gebe es hier aber noch Raum für Wachstum. Zudem sei dieser Bereich Technologie treibend, was ein W-LAN-Boom in Privathaushalten zeige. Bei PDAs (Personal Digital Assistents) für Privatpersonen sei man nicht darauf aus, großartig zuzulegen: "Für uns sind PDAs ein Bestandteil der IT-Unternehmensinfrastruktur", so Dekan.

Das japanische Unternehmen Fujitsu hat 1999 seine Computersparte mit der des deutschen Siemens-Konzerns zusammengelegt und damit Europas größten Computerbauer Fujitsu Siemens geschaffen. (APA)

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