Weitere Anzeigen gegen Deutsche Telekom-Verantwortliche

26. Februar 2003, 14:40
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Auch deutscher Finanzminister Eichel im juristischen Visier - Angeblich überhöhter Ausgabekurs für T-Aktie

Nach den jüngsten Berichten über einen möglicherweise zu hoch angesetzten Ausgabepreis beim 3. Börsengang der Deutschen Telekom haben mehrere Anwaltskanzleien bei der Staatsanwaltschaft in Bonn weitere Anzeigen eingereicht. Eine norddeutsche Kanzlei teilte am Mittwoch mit, sie habe für mehr als 150 Kleinaktionäre Anzeige gegen Bundesfinanzminister Hans Eichel sowie Vorstand und Aufsichtsrat der Telekom wegen Verdachts des Kapitalanlagebetrugs und des Verstoßes gegen das Aktiengesetz erstattet.

Begründungen

Eine südwestdeutsche Kanzlei erstattete nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" Anzeige wegen Emissionsbetrugs gegen Telekom und Bundesrepublik. Die Anwälte argumentieren, angesichts bereits absehbarer wirtschaftlicher Risiken sei der Ausgabekurs des 3. Börsengangs im Juni 2000 mit 66,50 Euro (63,50 Euro für Frühzeichner) weit überhöht gewesen.

Ermittlungen

Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt schon seit Jahren wegen unterschiedlicher Vorwürfe im Zusammenhang mit den Börsengängen der Telekom. Justizsprecher Fred Apostel sagte, es seien inzwischen zahlreiche Anzeigen eingegangen; die genaue Zahl könne er nicht nennen. Sie kämen sowohl von Aktionsgemeinschaften geschädigter Aktionäre als auch von mehreren Anwaltskanzleien. Der Abschluss der Ermittlungen werde "auf jeden Fall noch bis Ende des Jahres" auf sich warten lassen.

Klären

Die Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre forderte in der "Berliner Zeitung" unterdessen eine gerichtliche Klärung, ob die jetzt bekannt gewordenen Warnungen des früheren Telekom-Finanzchefs Joachim Kröske vor Zukunftsrisiken in den Emissionsprospekt für den 3. Börsengang hätten aufgenommen werden müssen. Wenn in dem Prospekt wesentliche Angaben falsch gewesen wären oder gefehlt hätten, hätten die Anleger ein Recht, die Aktien zum Emissionspreis zurückgeben, erklärte nach Angaben der Zeitung Reinhild Keitel, Vorstandsmitglied der Schutzgemeinschaft. (APA)

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