USA laden 500 Reporter zur Berichterstattung über den Irak-Krieg ein

26. Februar 2003, 14:21
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Anschluss an US-Truppen soll wunschgemäße Berichte liefern

Neben den militärischen Vorbereitungen arbeitet das US-Verteidigungsministerium intensiv an einer Informationspolitik, die den Krieg ins rechte Licht rücken soll. In der Hoffnung, dessen Notwendigkeit vermitteln zu können, lädt Washington mehr als 500 Reporter aus aller Welt ein, mit der US-Armee zu marschieren - so viele wie nie zuvor. Die Frontreporter sollen direkt im Geschehen sein und dadurch ein realistisches Bild vom Krieg abliefern.

Auf eigene Faust

Zwar dürfen die Journalisten über Kriegsschäden berichten und Interviews mit Verwundeten führen. Aber bevor über eine Militäraktion berichtet wird, muss der Kommandant sein Okay geben. Wer sich nicht an die Regeln hält, wird aus der Truppe verbannt und muss alleine klarkommen.

Bryan Whitman ist im Pentagon für Öffentlichkeitsarbeit zuständig und hat den Plan ausgeheckt. Nie zuvor seien in einem Krieg so viele Reporter im Fronteinsatz gewesen, sagt Whitman. Nicht mal am "D-Day" im Zweiten Weltkrieg, als die USA Frankreich von der deutschen Besatzungsmacht befreiten, sei die Aufmerksamkeit auch nur annähernd so groß gewesen. Bei der Landung der US-Einheiten in der Normandie am 6. Juni 1944 seien ein paar Dutzend Reporter unter den Soldaten gewesen.

"Echte" Szenen beschreiben

Während die Berichterstattung beim Golfkrieg 1991 vor allem aus Bildern mit Videospiel-Charakter bestand, sollen die Frontreporter diesmal "echte" Szenen beschreiben: Die Grausamkeit des Krieges zu zeigen, ist durchaus erwünscht; Berichte über mögliche irakische Giftgaseinsätze und Verluste an Menschenleben sollen die Welt über die Brutalität des Machthabers Saddam Hussein aufklären. Außerdem sollen sie einen Gegenpol zur irakischen Propaganda liefern, sagt Whitman.

"Könnte nach hinten losgehen ..."

Marvin Kalb, früherer Korrespondent der US-Fernsehsender CBS und NBC und Leiter des Joan-Shorenstein-Pressezentrums, zweifelt daran, dass der Pentagon-Plan aufgeht: "Gute Idee, aber niemand kann sicher sein, dass das funktioniert", sagt er. Das Konzept sei noch nie ausprobiert worden. Vor allem die Eingliederung ausländischer Journalisten in die Truppen könnte laut Kalb für die US-Regierung nach hinten losgehen. Da diese unter Umständen US-kritisch berichten, ist der Pentagon-Plan ein Risiko.

Kritische Berichterstattung

Im Vietnam-Krieg machten die USA schon einmal Erfahrungen mit einer kritischen Berichterstattung. Auch damals ließ Washington zahlreiche Journalisten die Kampfhandlungen aus nächster Nähe beobachten. Nie zuvor wurden so viele grausame Kriegsbilder direkt in die Wohnzimmer der Nation ausgestrahlt. Die umfassende und kritische Medienberichterstattung rief eine riesige Protestbewegung gegen den Vietnam-Krieg hervor. (APA/AFP/red)

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