Mexiko nähert sich offenbar unter Druck US-Position an

26. Februar 2003, 13:28
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Neue Direktive nennt Verhältnis zu Washington als oberste Priorität - Diplomaten: Massive US-Drohungen

New York - Das Sicherheitsratsmitglied Mexiko scheint nach intensivem Druck aus den USA bereit zu sein, sich der Haltung Washingtons in der Irak-Krise anzunähern. Mexiko hat sich bisher immer für eine Fortsetzung der Waffenkontrollen im Irak ausgesprochen. In einer vertraulichen Direktive des Außenministeriums, die der Nachrichtenagentur AP vorliegt, heißt es, die Regierung wisse, "dass dieses Thema von entscheidender Bedeutung für die USA und die Regierung (von US-Präsident George W.) Bush ist".

Wichtigstes nationales Interesse: Beziehungen zu den USA

Die neue Position gründe sich ausschließlich auf dem wichtigsten nationalen Interesse Mexikos, und dies sei die Beziehung zu den USA. In der Direktive vom Dienstag werden Waffenkontrollen nicht erwähnt. Vielmehr stellt das Papier fest, dass Mexiko seine Position nunmehr gänzlich auf die sofortige Abrüstung des Irak konzentrieren werde. Abschließend werden die Wichtigkeit der Beziehungen zu den USA sowie die Notwendigkeit betont, die Politik an den nationalen Interessen des Landes auszurichten. Die mexikanische UN-Mission in New York lehnte eine Stellungnahme ab.

US-Regierungsvertreter in Mexiko

Die mexikanische Wirtschaft hängt stark vom Handel mit den USA ab. In den vergangenen Wochen sind mehrere ranghohe US-Regierungsvertreter in Mexiko-Stadt vorstellig geworden. Ein Sprecher des US-Außenministeriums erklärte, Washington versuche nicht, Mexiko eine bestimmte Haltung aufzudrängen. Mexikanische Diplomaten haben Gespräche mit US-Vertretern jedoch als feindselig beschrieben. Washington zeige wenig Verständnis für die Lage der mexikanischen Regierung. Die Bevölkerung des Landes ist mit deutlicher Mehrheit gegen einen Krieg im Irak. "Sie haben uns tatsächlich gesagt: 'Jedes Land, das nicht für uns ist, wird einen hohen Preis zahlen'", sagte ein mexikanischer Diplomat.

Die USA bemühen sich um die Unterstützung der als bisher unentschlossen geltenden Staaten Angola, Guinea, Kamerun, Mexiko und Chile. Im UN-Sicherheitsrat liegen in der Entscheidung über Krieg oder Frieden seit Montag zwei entgegengesetzte Initiativen auf dem Tisch. Großbritannien, die USA und Spanien brachten einen Resolutionsentwurf ein, demzufolge der Rat feststellen soll, dass der Irak die Auflagen aus der Entschließung 1441 nicht erfüllt hat. Frankreich, Deutschland und Russland starteten gleichzeitig eine Initiative zur friedlichen Lösung des Konflikts. Die Sicherheitsratsmitglieder Pakistan und Syrien gelten als Gegner des US-Entwurfs.(APA/AP)

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