Entführungsfall Aleksandar: Lösegeld-Erpressung war geplant

26. Februar 2003, 12:51
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Nachdem von der Familie des Elfjährigen kein Geld zu holen war wurde das Vorhaben aufgegeben

Wien - Die beiden jungen Männer, die in der Nacht auf Dienstag in Wien im Zusammenhang mit der Entführung des elfjährigen Aleksandar K. festgenommen wurden, hatten ursprünglich die Erpressung von Lösegeld geplant. Als sie merkten, dass von der Familie des Buben kein Geld zu holen war, gaben sie dieses Vorhaben auf. Das sagte der Leiter des Kriminalkommissariats Zentrum-Ost, Dr. Karlheinz Ruisz, am Mittwoch der APA. Die Einvernahmen zu der Causa durch die Polizei sind abgeschlossen, die Verdächtigen, der 26 Jahre alte Rudolf D. und der 17-jährige Bernd U., wurden in das landesgerichtliche Gefangenenhaus eingeliefert.

Hintergrund war offenbar die Drogenabhängigkeit der beiden Verdächtigen, durch die sie in massive finanzielle Schwierigkeiten geraten waren. Um Geld aufzutreiben, waren sie zwar zu illegalen Handlungen bereit, wollten aber nach eigenen Aussagen keine Gewalttaten verüben. So kamen sie schließlich auf die Idee, ein Kind zu entführen und Lösegeld zu erpressen. Sie entschieden sich für einen Buben, da sie einen solchen im Vergleich zu einem Mädchen als "pflegeleichter" einschätzten.

Aleksandar wurde unter der Vorspiegelung, er könne sich durch Hilfe beim Übersiedeln 40 Euro verdienen, am Donnerstag vergangener Woche von Heimweg von der Schule in die Wohnung der Verdächtigen in Wien-Landstraße gelockt. Sie seien überrascht gewesen, wie einfach dies gewesen sei, sagten die Verdächtigen bei der Einvernahme. Als sie schließlich realisierten, dass die Erpressung von Lösegeld nicht funktionieren würde, waren die beiden zunächst ratlos.

Ihr "Problem" wurde dadurch verstärkt, dass der Bub in der Wohnung Kokain gesehen hatte und die jungen Männer fürchteten, dass er nach seiner Freilassung davon der Polizei berichten würde. Der Polizei gegenüber behaupteten sie schließlich, der Elfjährige hätte das Suchtgift selbst probieren wollen. Der Bub wurde nach seiner Freilassung am Sonntag tatsächlich positiv auf Kokain getestet, das Ergebnis der genauen chemischen Analyse durch die Gerichtsmedizin stand vorläufig noch aus. Während der dreitägigen Entführung kam es auch zu sexuellen Übergriffen auf den Kleinen.

"Von gerichtlicher Seite haben die beiden Verdächtigen einiges zu erwarten", sagte Ruisz. Die Ermittlungen zu dem Entführungsfall sind vorläufig abgeschlossen, die Kriminalisten beschäftigen sich aber noch mit einem Diebstahlsverdacht, bei dem D. und U. einen Computer ohne Wissen des Besitzers, eines Freundes von ihnen, mitgenommen haben sollen. Gegen Rudolf D. lag darüber hinaus ein Haftbefehl wegen Betrugs vor. (APA)

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