Statt eigene Identität fremde Schulden

26. Februar 2003, 12:17
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Eine Spanierin wird durch eine Personalausweis- Nummer von Computern für jemand anders gehalten - die Behördenschlamperei zerstörte ihr Leben

Anfangs konnte sie darüber noch schmunzeln. Aber Rosa Martin ist das Lachen schon lange vergangen, denn das bürokratische Wirrwarr hat sie ruiniert - beruflich wie privat. Die Spanierin wird von dem Computer ständig für jemand anders gehalten. Mit der Nummer ihres Personalausweises - 12 384 080 - spuckte der Computer einen anderen Namen aus, den eines Mannes. Martin hielt dies zunächst für einen leicht zu korrigierenden Fehler beim Verkehrsamt. Doch tatsächlich wurde daraus ein Albtraum.

Fremde Schulden

Ihre zwei Häuser in Madrid und in Malaga an der Costa del Sol wurden beschlagnahmt - um hohe Schulden einzutreiben, die fälschlicherweise ihr zugeschrieben wurden.

Ihre Firma hat sie auch verloren, aber das Arbeitsamt zahlt ihr kein Arbeitslosengeld, weil ihre Identität unklar sei. Überdies ging die Ehe zu Bruch.

Klage gegen Klage

"Mittlerweile sind mehr als 100 Anwälte und Gerichtsvollzieher hinter mit her", sagt Martin. 60 Verfahren sind gegen die verzweifelte Frau anhängig. "Ihr Leben besteht nur noch aus Zahlen", schrieb die Zeitung "El Pais", die den Fall ans Licht brachte.

Nun ist sie in die Offensive gegangen: Sie verklagte das Innenministerium auf neun Millionen Euro Schadenersatz. Aus den Fängen der Bürokratie hat sie sich damit allerdings nicht befreien können. Als das Gericht die entsprechende Akte beim Ministerium anforderte, hieß es: "Tut uns Leid, aber die existiert nicht."

Behördenschlamperei

Die 54-Jährige bekam vom Einwohnermeldeamt einen neuen Ausweis nachdem sie sich beschwert hatte. Man erklärte der Frau dass es tatsächlich einen Fehler gegeben hatte, als seinerzeit die handschriftlichen Ziffern in den Computer übertragen worden waren. Doch beim Verkehrsamt war auch unter dem neuen Ausweis jemand anders registriert. Also erhielt Rosa Martin - nach einem weiteren lästigen Behördengang - einen dritten. Wieder mit neuer Zahlenfolge.

Ihr Auto konnte sie damit zwar anmelden. Aber die Freude über die zurückgewonnene Identität sollte nicht lange währen. Die anderen Nummern wurden nämlich nicht rechtzeitig aus dem weit vernetzten Computersystem der Verwaltung gelöscht. Nach dem Zufallsprinzip wurden sie an alle möglichen Behörden weitergegeben. Und selbst dabei leistete der Amtsschimmel ganze Arbeit, denn es kamen weitere Zahlendreher dazu.

Inzwischen ist Martin landesweit mit sieben verschiedenen Ausweisnummern registriert. (APA)

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