Marionetten mit Tradition

26. Februar 2003, 12:37
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Privates Puppentheater in Salzburg feiert sein 90-jähriges Bestehen

Salzburg - Ein Salzburger Traditionsstück wird mit Donnerstag, den 27.2., 90 Jahre alt: das Salzburger Marionettentheater, das dank der regelmäßigen Gastspiele in Paris, New York, Tokio und anderen Ländern und Städten bekannt ist. Von Beginn an war es in Besitz der Familie Aicher, nun in der dritten Generation.

Herrgottschnitzerwurzeln

Das Leben der Familie Aicher sei vom Theater geprägt gewesen, betont die Prinzipalin des Salzburger Marionettentheaters, Gretl Aicher, die seit über 50 Jahren im Haus arbeitet und 1977 nach dem Tod ihres Vaters das Unternehmen übernommen hatte. "Der Großvater (Anton Aicher, Anm.) ist Bildhauer gewesen. Sein Traum, ein eigenes Marionettentheater zu bauen, entstand schon in frühester Kindheit, als er den Franziskanerpatres in der Südsteiermark beim Schnitzen der Altarfiguren zusah." Am 27. Februar 1913 war es dann soweit: Die Marionetten traten mit "Bastien und Bastienne" erstmals öffentlich auf - und zwar im Turnsaal des alten Borromäums in Salzburg.

Bereits im Herbst 1913 startete das Marionettentheater zu seiner ersten Tournee, nämlich zur Grazer Messe. Der Sohn Anton Aichers, Hermann, brach sein Technik-Studium ab und beschloss, sich ausschließlich dem Theater zu widmen. Als Hermann Aicher die junge Sopranistin Elfriede Eschenlohr im Jahr 1926 ehelichte, bekam er von seinem Vater das Marionettentheater als Hochzeitsgeschenk.

"Vollster Einsatz" in Moskau anno '36

Erfolgreiche Auslandstourneen folgten: So gastierten die Salzburger Puppen in Deutschland, am Balkan und 1932 zum ersten Mal in Paris sowie Brüssel. 1936 traten die Marionetten in Moskau auf, "wo es galt, den vollsten Einsatz zu geben und durchzustehen", erinnert sich Gretl Aicher. In der Zeit von 1940 bis 1944 wurde das Marionettentheater als Fronttheater eingesetzt. "Während des Zweiten Weltkrieges hat das Theater nur ein Jahr lang nicht gespielt (als Vater Hermann 1944 zum Militär eingezogen wurde, Anm.)."

Mit Mozart nach New York

1947 gaben die Salzburger Marionetten als erstes deutschsprachiges Ensemble nach Kriegsende im Pariser Theatre des Champs Elysee ein Gastspiel. Durch die Erfindung des Tonbandes konnte Aicher ab 1950 auch auf die kostenintensiven Musiker und Sänger verzichten und den Sprung nach Amerika wagen. "Die Zauberflöte" hatte in Boston Premiere, "Die Fledermaus" 1953 in New York. Es folgten viele Auslandstourneen durch die ganze Welt, unter anderem nach Amerika, Kanada, Südamerika, Japan, Australien: "Die Salzburger Puppen haben die Welt erobert", resümiert Aicher.

Rund 200 Vorstellungen gibt es im Jahr, bei allen steht Aicher selbst auf der Bühne. Etwa 160 davon werden in Salzburg gespielt, der Rest bei den beiden Tourneen im Frühjahr und im Herbst. Beliebteste Ziele seien nach wie vor die USA, Frankreich und Japan, so Aicher.

Umbauten im Gange

Bis 1961 diente den Marionetten das alte Borromäum als Hauptquartier, dieses musste jedoch wegen Baufälligkeit geschlossen werden. Für zehn Jahre wurde der Kapitelsaal von der Erzdiözese Salzburg gemietet, ehe man in den jetzigen Stammsitz in der Schwarzstraße einzog, wo das Theater seit Juli 1971 beheimatet ist. Derzeit wird gerade umgebaut: Die vor dem Einzug in der Schwarzstraße im Jahr 1971 verschwundene Stuckdecke im Pausenfoyer soll wieder zum Vorschein gebracht werden. Die diversen Feierlichkeiten wurden deshalb vom Februar in den Juli verlegt. Doch werden in diesem Jahr im berühmten Haus nicht nur Geburtstage gefeiert, sondern am 12. Dezember auch die Premiere von einer neuen Produktion: "Hänsel und Gretel" von Engelbert Humperdinck. (APA)

Service

Salzburger Marionettentheater, 5020 Salzburg, Schwarzstraße 24, Tel.: 0662-8724060

Link

marionetten.at

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Gretl Aicher,Leiterin des Marionettentheater mit der Figur des Papageno

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