40 Jahre Kanonbildung

26. Februar 2003, 11:28
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Die Zeitschrift "Text + Kritik" blickt auf 157 Bände zurück

Wien - Wer von "Text + Kritik" gewürdigt wird, hat es geschafft. Günter Grass war im Februar 1963 die erste Ausgabe der in München herausgegebenen Literaturzeitschrift gewidmet. Kürzlich erschien zum 40-Jahr-Jubiläum Band Nummer 157. Die "studentische Pflichtlektüre" begeht ihren Geburtstag mit einer Ausgabe über Peter Huchel. Von anfänglich 32 Seiten hat die vierteljährlich erscheinende Zeitschrift auf über hundert zugelegt - und von Martin Luther bis zu Durs Grünbein ist kaum ein namhafter Autor, kaum eine wichtige Autorin der deutschsprachigen Literatur bisher unberücksichtigt geblieben.

"Text + Kritik" sei längst "ein Organon der Kanonbildung geworden", befand jüngst die "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "Der Rückblick auf die 157 Bände macht dies auf beeindruckende Weise deutlich: Es ist kein Fehlgriff und kaum ein literarischer Zweitligist darunter." Heinz Ludwig Arnold, Herausgeber und Chefredakteur von "Text + Kritik" stellt seit den Gründertagen jeweils einen Schriftsteller, eine Schriftstellerin in den Mittelpunkt seiner Hefte. "'Text + Kritik' sieht sich als Forum für den literarischen Diskurs, versucht eine Brücke zwischen Leser und Literatur zu bauen und strebt eine essayistische Form der literarischen Vermittlung an, die Lust aufs Lesen macht und sich deshalb an alle richtet, die sich mit Literatur beschäftigen", so eine Aussendung des Verlages.

Das Konzept hat sich kaum verändert: Kritiker, Germanisten und Kollegen liefern Beiträge über die Auserwählten, Originaltexte des besprochenen Autors und eine kurze Vita ergänzen das Angebot. Über den Lyriker Peter Huchel (1903-1981) schreiben etwa in der aktuellen Ausgabe Sarah Kirsch, Christoph Meckel und Huchels Lektorin Elisabeth Borchers, von Huchel selbst findet sich eine erstmals publizierte "Erinnerung an Brecht".

Die nächsten Bände von "Text + Kritik" gelten W. G. Sebald, Jürgen Becker und Adalbert Stifter. Die Grass gewidmete Nummer 1 der Zeitschrift ist übrigens noch immer erhältlich - in siebenter, veränderter Auflage und einem auf 138 Seiten angewachsenen Umfang. (APA)

Service

"Text + Kritik". Heft 157: "Peter Huchel". Hg. von Heinz Ludwig Arnold mit Lutz Seiler und Peter Walther. Edition text + kritik, 98 Seiten, 14 Euro.

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