Lugner und das Niveau vom tiefsten Opernkeller

28. Februar 2003, 11:02
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Tieraktivist Dan Mathews präsentierte sich auch bei der Pelzdemo in Wien als Gentleman während es zwischen Gürtler und "Mörtl" krachte

Ein Opernball ohne Krach zwischen Ballchefin Elisabeth Gürtler und Baumeister Lugner ist wie ein Gschnas ohne Pappnase. Das unterste Niveau sei nun erreicht, protestierte Gürtler am Mittwoch - während sich der gefürchtete Tieraktivist Dan Mathews als wahrer Gentleman präsentierte.

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Wien - Eine herbe Enttäuschung für all jene, die sich einen aggressiv-missionarischen, Tierkadaver schmeißenden und mit Spraydosen bewaffneten Aktionisten erwartet hatten. Nichts davon. Da sitzt ein höflicher, gut aussehender, kultivierter, gebildeter und vor allem höchst professioneller junger Mann. Ja, früher sei er durchaus schon das eine oder andere Mal festgenommen worden, berichtet Dan. So ist es richtig: Mathews, Chef der weltgrößten Tierschutzorganisation Peta (People for the Ethical Treatment of Animals). "Aber beim Wiener Opernball bin ich Gast von Herrn Lugner, und da benehme ich mich auch wie ein Gast", versichert Mathews.

Ein bisserl wild war Mathews ja schon vorab am Mittwoch - demonstrierte gemeinsam mit Aktionisten vom Verein gegen Tierfabriken vor einem Modehaus in der Mariahilfer Straße.

Die "Strichmiezen"

Bleiben also die anderen Gäste - und vor allem der Gastgeber, der Herr Lugner. "Mich hat vorhin gerade die Frau Gürtler angerufen, dass sie mit mir sprechen will, weil ich das Niveau vom Ball runterdrück', dass es nimmer tiefer geht", berichtete der Baumeister am Mittwochvormittag. "Aber ich glaub', das bin eigentlich net ich, sondern dieser Peepshow- Besitzer mit seinen Strichmiezen." Man sei sich gar nicht so unähnlich, analysierte Mathews: Lugner greife zu extremen Mitteln, um sein Geschäft zu promoten - er selbst, um Tiere zu retten.

Aber im Flieger Richtung Wien saßen am Opernball-Vortag auch noch andere. Nicht nur Pamela Anderson - sondern auch deren Freund Kid Rock, laut Lugner mit einem gestreiften Frack, Zylinder und seiner neuen CD im Gepäck. Den als ausgesprochen brachial verrufenen Kid Rock habe er schon einmal bei einem Dinner im New Yorker Waldorf Astoria getroffen, erinnert sich Dan Mathews: Der sei schon in Ordnung, ein "good guy".

Mathews gibt sich selbst weiter betont als "good guy", überreicht der Pelzliebhaberin Christine Lugner einen Kunstpelz von Marc Bouwer, der etwa auch Shania Twain und Pamela Anderson einkleidet. Richard Lugner zückt sein Kroko-Geldbörsel: "Stört das wen?" Mathews überreicht ihm prompt eine lederlose Brieftasche.

Die Lugnerin ist längst bekehrt - "die Organisation Vier Pfoten hat schon einen Bewusstseinswandel erreicht. Natürlich ist es viel g'scheiter, wenn man die Felle von Nutztieren verwendet, davon fallen ja täglich Tonnen an." Mathews überlegt derweilen, ob er vielleicht noch einmal nach Wien kommen soll. Zum Jägerball. Aber nicht als "Gast". (Roman Freihsl/DER STANDARD, Printausgabe, 27.2.2003)

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    Demonstration der Tierschützer mit Dan Mathews auf der Wiener Mariahilferstraße

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