"EU soll 150.000 Soldaten gegen Schwarz-Blau zusammenziehen"

26. Februar 2003, 17:50
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Der Chefredakteuer des deutschen Satiremagazins TITANIC, Martin Sonneborn, überlegt im derStandard.at-Interview Sanktionen gegen Österreich

"Klares Ja zum Nein!" - das ist das erklärte Motto des Satiremagazins TITANIC. Die Folgen liegen auf der Hand: durchschnittlich jede zehnte Ausgabe wurde verboten und die Schadensersatzforderungen summierten sich 2002 auf über 170.000 Euro.

Dabei "muss" TITANIC seit dem Amtsantritt der rot-grünen Koalition in Deutschland immer wieder "hoheitliche Aufgaben" übernehmen: Die Bestechungsfaxe der Redaktion an FIFA-Mitglieder (Geschenkkorb mit Schwarzwälder Würsten und Kuckucksuhr) brachten die Fußball-WM 2006 nach Deutschland, TITANIC erklärte Jugoslawien 1999 den Krieg, weil Bundespräsident Rau das offensichtlich vergessen hatte, und nach der (ersten) Regierungsbeteiligung der FPÖ lud ein "Dr. Schmillen, Büroleiter von Außenminister Fischer", im Gespräch mit Außenministerin Ferrero-Waldner das kleine "kotelettförmige" Land kurzerhand von der EXPO 2000 aus.

Im Jahr 2003 steht Österreich wieder Schwarz-Blau ins Haus. TITANIC empfiehlt im derStandard.at-Interview der EU rund 150.000 Soldaten an der Grenze zusammenzuziehen, um Schüssel zum Verlassen des Landes zu bewegen. Mit dem Chefredakteur des Satiremagazins, Martin Sonneborn, sprachen Sonja Fercher und Rainer Schüller.

Anmerkung: Um TITANIC vor weiteren Klagen zu bewahren, musste derStandard.at zensurmäßig einschreiten. Leicht zu erkennen an [XXXZensurXXX].

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derStandard.at: Was verschlägt Sie nach Österreich?
TITANIC: Ich besuche meinen Bruder, der in Wien lebt. Weil der nachmittags immer nur kleine Biere mit mir trinkt, habe ich abends Zeit und Lust, zusammen mit meinen Kollegen Gsella und Schmitt Leuten aus TITANIC vorzulesen.

derStandard.at: In Österreich wird nach der Neuwahl scheinbar wieder die alte Regierungskoalition weitermachen. Was sagt TITANIC dazu?
TITANIC: Wir sind sprachlos! Und H. Krankl hat wirklich keine Lust mehr?

derStandard.at: Wie sollte die EU auf eine Neuauflage von Schwarz-Blau reagieren?
TITANIC: Rund 150.000 Soldaten an den Grenzen zusammenziehen und mit Krieg drohen für den Fall, dass Schüssel das Land nicht freiwillig verläßt.

derStandard.at: Wie sollte die Reaktion Deutschlands aussehen?
TITANIC: Wir haben da noch eine ähnlich gute, traditionsreiche Idee. Warten Sie mal den 12. März ab ...

derStandard.at: Jörg Haider hat angekündigt, dass er sich aus der Bundespolitik raushalten will. Glauben Sie ihm?
TITANIC: Wir glauben ihm alles. Alles andere wäre ein klarer Fall von [XXXZensurXXX].

derStandard.at: Unser Kanzler hat im Wahlkampf mit Inseraten vor Rot-Grün mit Hinweis auf die schlechte Situation in Deutschland gewarnt. Wie böse ist Rot-Grün wirklich?
TITANIC: Nicht grundsätzlich böse; nur entsetzlich unfähig. Wir haben in den ersten vier Jahren unter Rot-Grün andauernd in die Bresche springen und sehr viele hoheitliche Aufgaben übernehmen müssen. Nach einer völlig verfehlten Sportpolitik mußten wir die WM 2006 mit Bestechungsfaxen ins Land holen; wir haben Jugoslawien offiziell über die schwedische Botschaft den Krieg erklären müssen, nachdem Bundespräsidentin Johanna Rau das vergessen hatte, bevor zum ersten Mal nach ’45 wieder deutsche Flugzeuge gegen kleine wehrlose Länder flogen. Und wir haben auch zum Telefonhörer gegriffen und als „Dr. Schmillen, Büroleiter von Außenminister Fischer“ Frau Ferrero-Waldner angerufen, um Österreich von der EXPO 2000 in Hannover auszuladen.

derStandard.at: Das Verhältnis zwischen ÖsterreicherInnen und Deutschen ist nicht besonders gut, eine "liebevolle" Bezeichnung für Deutsche lautet "Piefke". Was fällt Ihnen zum Thema "ÖsterreicherInnen" ein?
TITANIC: Dass man mitten im Wort keine Großbuchstaben verwendet, wenn man mit den Rechtschreibregeln vertraut und klaren Verstandes ist.

derStandard.at: Für Ex-Bundeskanzler Kohl hat das TITANIC die "Birne" erfunden. Was fällt Ihnen zum österreichischen Bundeskanzler Wolfgang Schüssel ein?
TITANIC: Dass er die arme Frau Dr. Ferrero-Waldner angeschrieen haben soll, als er von der Ausladung Österreichs von der EXPO 2000 erfuhr. Traut man diesem blassen Männchen gar nicht zu; vermutlich hat er einen – verzeihen Sie das schlichte Wortspiel – Sprung in der [XXXZensurXXX].

derStandard.at: Seit seinen Besuchen bei Saddam Hussein scheint Jörg Haider ein besonderes Verhältnis zum Irak zu haben. Was soll er Hussein bei seinem nächsten Irak-Besuch von TITANIC ausrichten?
TITANIC: Dass wir jederzeit mit ihm zusammenarbeiten würden, wenn er uns gut bezahlt, und dass wir gerne bereit sind, ihm für sein Land eine völlig korrupte, extrem amerikafeindliche irakische TITANIC-Ausgabe zu liefern.

derStandard.at: Welche Lösung schlägt das TITANIC im Irak-Konflikt vor?
TITANIC: Die in solchen Fällen übliche: das Land zuerst mal total zusammenbomben, ohne daß davon mehr Bilder als nötig in die Öffentlichkeit gelangen, und danach gegen gutes Geld alles wieder aufbauen.

derStandard.at: Der österreichische Nationalratspräsident, Andreas Khol, hat vorgeschlagen, Gott in der Verfassung zu verankern. Was hält TITANIC davon?
TITANIC: Nichts. Aber wir dachten bisher, der deutsche Bundespräsident sei der [XXXZensurXXX]Politrentner in Europa.

derStandard.at: Was will TITANIC Österreich sonst noch mitteilen?

TITANIC: Österreicher! Kündigt Eure [XXXZensurXXX]-Abos und abonniert TITANIC!

  • TITANIC-Chefredakteur Martin Sonneborn in der Wiener Interviewecke am Rande der Lesung im Buch und Wein
    foto: derstandard.at/schüller

    TITANIC-Chefredakteur Martin Sonneborn in der Wiener Interviewecke am Rande der Lesung im Buch und Wein

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