Strafanzeige wegen Betrugs gegen Deutsche Telekom

26. Februar 2003, 09:39
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Anwaltskanzlei war bereits in Mannesmann-Affäre tätig - Bei Erfolg könnten Anleger Aktien zu Ausgabepreis zurückgeben

Eine Stuttgarter Anwaltskanzlei hat Medienberichten zufolge Strafanzeige gegen die Deutsche Telekom und die Bundesrepublik Deutschland wegen des Verdachts auf Betrug beim dritten Börsengang des Unternehmens gestellt. Die Kanzlei Binz & Partner, die auch in der Mannesmann-Affäre tätig war, habe gegen den früheren Vorstandsvorsitzenden der Telekom, Ron Sommer, weitere Organmitglieder der Telekom sowie die Vertreter des Hauptaktionärs Bundesrepublik Deutschland Strafanzeige wegen Betrugsverdachts bei der Staatsanwaltschaft Bonn erstattet, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" in ihrer Mittwochausgabe. Bei der Anwaltskanzlei war am Dienstagabend niemand mehr für eine Stellungnahme zu erreichen. Ein Sprecher der Deutschen Telekom sagte auf Anfrage, dass dem Unternehmen "noch nichts vorliege".

Vorgeschichte

Die Kanzlei reagiere mit ihrer Anzeige auf einen Bericht eines Fernsehmagazins, nach dem der Telekom-Vorstand und das Finanzministerium, das im Aufsichtsrat des Bonner Konzerns vertreten ist, die Anleger beim dritten Börsengang der Telekom im Juni 2000 nicht ausreichend über die Risiken informiert hätten, berichtet die "Welt" am Dienstagabend im Voraus aus ihrer Mittwochausgabe. Auch die Verbände der Kleinaktionäre wollten den Börsenprospekt daraufhin noch einmal überprüfen.

Würde sich herausstellen, dass Telekom-Vorstand und -Aufsichtsrat die Warnungen des damaligen Finanzvorstands Joachim Kröske vor vermeintlich überteuerten Unternehmenskäufen im Börsenprospekt bewusst ignoriert hätten, könnten die rund drei Millionen Kleinanleger bei einer erfolgreichen Schadenersatzklage ihre T-Aktien zum damaligen Ausgabepreis von 63,50 Euro der Telekom zurückgeben, schreibt das Blatt weiter. Der derzeitige Kurs liegt bei 10,19 Euro. "Wir wollen aber keine falschen Hoffnungen wecken", sagte eine Sprecherin der Schutzgemeinschaft der Kleinaktionäre (SdK) der Zeitung. Bisher sei es nur gelungen, drei kleineren Aktiengesellschaften Emissionsbetrug nachzuweisen.

Schutz

Da die Telekom ab Mitte Mai 2003 für den Prospekt eigentlich nicht mehr haften müsse, wolle die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) den Konzern bitten, die Verjährungsfrist zu verlängern, schreibt die Zeitung weiter. Es sei allerdings schwierig, die Bewertung von Unternehmen, die sich zudem in die Zukunft richteten, als Grundlage für eine Prospektklage zu verwenden, sagte ein DSW-Sprecher dem Blatt. In ihrem Börsenprospekt stelle die Telekom lediglich fest, dass zukunftsbezogene Aussagen über "die Entwicklung der internationalen Beteiligungen" mit Risiken und Unsicherheiten einher gingen.

Der damalige Finanzvorstand Kröske hatte den Zeitungsangaben zufolge in einem vorstandsinternen Schreiben vom September 1999 den Wert des britischen Mobilfunkunternehmens One-2-One auf fünf Milliarden Euro taxiert. Der damalige Vorstandschef Ron Sommer kaufte die Firma wenig später für zehn Milliarden Euro. (APA/Reuters)

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