Moslemische Staaten überlegen Ölboykott

26. Februar 2003, 08:48
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Maßnahme als Druckmittel zur Abwendung eines Krieges gegen den Irak wird überprüft

Kuala Lumpur - Die moslemischen Staaten denken nach Angaben des malaysischen Ministerpräsidenten Mahathir Mohamed darüber nach, Öl als Druckmittel zur Abwendung eines Irak-Krieges einzusetzen. Entsprechende Maßnahmen seien bei informellen Beratungen der der Islamischen Konferenz-Organisation (ICO) in Kuala Lumpur erörtert worden, sagte Mahathir am Mittwoch in Kuala Lumpur. "Es gab keinen Konsens, Öl als Waffe einzusetzen. Es gab nur einen Konsens, darüber nachzudenken", so Mahathir.

"Nachspiel" nicht ausgeschlossen

"Es gibt den Vorschlag, dass wir unseren Ölreichtum einsetzen, um Druck auszuüben", sagte Mahathir bei dem Treffen von Staats- und Regierungschefs aus der moslemischen Welt in der malaysischen Hauptstadt. Die Gesprächsteilnehmer seien sich bewusst gewesen, dass ein solches Vorgehen ein "Nachspiel" haben könnte. Es habe aber Einigkeit bestanden, dass über diese Option nachgedacht werden solle, bevor es zu spät sei.

An den Beratungen nahmen 47 der 57 Mitglieder der ICO teil, darunter der Iran und Saudiarabien, der weltweit größte Ölproduzent, der den US-Vorbereitungen eines Krieges gegen den Irak von Anfang an ablehnend gegenüberstand. Mahathir sagte, es sei auch darüber gesprochen worden, mit Kriegsgegnern in westlichen Ländern "gemeinsame Sache" zu machen und sich Frankreich und Deutschland anzuschließen im Bemühen, einen Krieg abzuwenden, sagte Mahathir. Die USA und Großbritannien haben mit einem Militärschlag gedroht, sollte der Irak die UNO-Abrüstungsauflagen nicht erfüllen. Sie haben der UNO am Montag für eine Entscheidung zwei Wochen Zeit gegeben und schließen einen Alleingang nicht aus

Zuletzt 1973 als Druckmittel eingesetzt

Zuletzt wurden Ölexporte 1973 als politisches Druckmittel eingesetzt. Damals verursachte die Verknappung eine weltweite Energiekrise. Im November 2000 nahm das Förderkartell OPEC eine von Saudiarabien eingebrachte Initiative an, dass Öl nicht als politische Waffe missbraucht werden solle.

Mahathir hatte zuvor auf einer Pressekonferenz zum Abschluss der Tagung Blockfreier Staaten gesagt, dass die Organisation Krieg als Mittel der Politik ablehne. Die Blockfreien-Bewegung wolle deshalb die Friedensbewegung in den westlichen Ländern unterstützen, um einen Krieg zu verhindern.(APA/AP/Reuters)

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    foto: epa/sergei ilnitsky
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