Nach dem Irak "um Syrien kümmern"

26. Februar 2003, 13:22
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Ex-CIA-Chef Woolsey: "Hochrangige Kontakte" zwischen Al Kaida und dem Irak

Wien - Der frühere Chef des US-Geheimdienstes CIA, James Woolsey, hat die Vorwürfe Washingtons, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen, bekräftigt. "Sie haben immer noch Tausende Liter biologische Kampfstoffe: Genug für Hunderte, vielleicht sogar Tausende biologische Waffen", sagte Woolsey in einem Interview mit der "Presse". Zu den von Washington behaupteten Verbindungen zwischen Bagdad und dem Terrornetzwerk Al Kaida sagte Woolsey, die beiden verhielten sich "wie zwei Mafiafamilien zu einander". Für die Zeit nach dem Regimewechsel im Irak schlägt Woolsey ein Vorgehen der USA gegen Syrien vor, um damit den Iran zu schwächen und die Basis für eine friedliche Lösung im Nahost-Konflikt zu schaffen.

Die konventionellen Streitkräfte des Irak seien zwar schwächer als zum Zeitpunkt des Golfkrieges 1991, "aber der Irak hatte zwölf Jahre Zeit, um an seinen bakteriologischen und chemischen Waffen sowie an seinem Nuklearwaffen-Programm zu arbeiten", sagte Woolsey. Bagdad habe das Know-How, das Design und die Wissenschaftler für Atomwaffen. Den Irakern fehle es nur noch am spaltbaren Material, um Atomwaffen herstellen zu können. Dies könne aber "gekauft oder gestohlen" werden. Der Sicherheitsexperte sagte weiter, dass der Irak "vermutlich" daran gearbeitet habe, seine Anthrax- und Pockenviren resistenter gegen Impfstoffe zu machen. Für solche biologischen Waffen brauche man keine großen Produktionsanlagen, warnte der ehemalige CIA-Chef.

Woolsey räumt ein, dass es keine "substanziellen öffentlich zugänglichen Beweise" für eine Verwicklung des Irak in die Terroranschläge des 11. September gebe. Außerdem sei Al Kaida "zu groß, zu mächtig, zu reich" als dass sie von einem Staat gesponsert werden müsste. Das Terrornetzwerk und der irakische Geheimdienst seien "in gewissem Ausmaß Rivalen. Sie hassen einander, sie töten einander von Zeit zu Zeit. Aber sie hassen uns um vieles mehr." So gebe es zwischen Al Kaida und dem Irak seit einem Jahrzehnt "hochrangige Kontakte", außerdem habe der Irak die Terroristen "bei der Herstellung von Giften unterwiesen".

"Nach einem erfolgreichen Regimewechsel im Irak müssen wir uns als nächstes um Syrien kümmern", sagte Woolsey. Dieses Land wäre nämlich ohne den Irak isoliert und von unfreundlichen Ländern umgeben. Konkret schlägt der Pentagon-Berater vor, Druck auf Damaskus auszuüben, "um die Syrer aus dem Libanon rauszukriegen und deren Unterstützung für die Hisbollah zu unterbinden". Damit würde man zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Erstens wäre der Iran geschwächt, dessen Instrument die libanesische Schiiten-Miliz Hisbollah ist. Zweitens würden auch die Israelis und die Palästinenser leichter einen "modus vivendi oder gar ein Friedensabkommen" erreichen, wenn der Südlibanon Hisbollah-freie Zone wäre. (APA)

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    Woolsey: Keine "substanziellen öffentlich zugänglichen Beweise" für eine Verwicklung des Irak in die Terroranschläge des 11. September

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