Forscher entdecken "Brustkrebs-Stammzellen"

25. Februar 2003, 21:43
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Das Versagen gängiger Therapien scheint geklärt

Ann Arbor - Dass sich herkömmliche Brustkrebs-Therapien gegen alle Tumorzellen gleichermaßen richten, könnte einer Studie des University of Michigan Comprehensive Cancer Centers zufolge der falsche Ansatz sein. Forscher entdeckten, dass offenbar nur eine Zellen-Minderheit befähigt ist, neue bösartige Tumore zu bilden.

In der Publikation in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS) heißt es: "Es scheinen vielleicht nur weniger als hundert Zellen neue bösartige Tumore bilden zu können." Diese Tumor-induzierenden Zellen haben viele Eigenschaften mit Stammzellen gemeinsam. Ganz gezielte Therapien, die sich gegen diese "Brustkrebs-Stammzellen" richten, könnten der Entdeckung folgen.

Kopien und Zell-Produktionen

"Die Tumor-auslösenden Zellen machen Kopien von sich selbst und produzieren alle anderen Zellarten, die im ursprünglichen Tumor vorkommen", erklärt Studien Michael Clarke. Die Zellen stammten von neun Frauen, denen Krebsgewebe entnommen wurden. Sie litten entweder unter einem primären Brustkrebs-Tumor oder hatten infolge einer anderen Krebserkrankung Metastasen in der Brust. Mittels spezifischer Antikörper und einer bestimmten Technologie isolierten die Forscher verschiedene Krebszelltypen innerhalb des Tumors je nach Protein-Muster auf ihren Oberflächen-Membranen in einzelne Populationen.

Zellgruppe mit demselben Phänotyp

Bei acht der neun Patientinnen entdeckten die Wissenschaftler eine kleine Zellgruppe mit dem selben Phänotyp. Die isolierten Populationen wurden anschließend Mäusen mit defektem Immunsystem gespritzt. Aber nur etwa hundert bis zweihundert dieser entdeckten Zellen führten bereits zur bösartigen Tumorbildung in den Mäusen.

"Tausende andere isolierte Krebzellen haben keine neuen Geschwulste verursacht", erklärt Clarke. Gemeinsam ist den entdeckten Brustkrebs-Stammzellen das Protein-Marker CD44. Sie besaßen auch nur eine geringe Menge bis gar keinen Marker CD24.

Wiederholungen

Um zu testen, ob die "Brustkrebs-Stammzellen" zur Bildung eines neuen Tumor fähig sind, wiederholten die Mediziner das Experiment mehrere Male. Zuerst wurden zweihundert Zellen aus dem ursprünglichen Tumor isoliert und Mäusen injiziert. Aus dem resultierenden Tumor wurden wieder Zellen isoliert und den Versuchstieren gespritzt, insgesamt vier Mal.

"Jedes Mal produzierten die Zellen mit dem bestimmten Proteinmarker-Muster auf ihrer Oberfläche einen neuen Tumor in der nächsten Mäusegeneration", erklärt Clarke. Dessen Zellverteilung entsprach der im ursprünglichen Tumor. Im nächsten Schritt wollen die Mediziner auch andere Krebsarten auf solche Stammzellen untersuchen. (pte)

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